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Einwanderung aus dem Kosovo : Willkommen in Deutschland!

Wir haben mehr zu bieten

Aber das sind Ausnahmen. Es gibt keinen Staat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, in dem der Islam eine derart nebensächliche Rolle spielt wie im Kosovo. Mitten in der Hauptstadt Prishtina wurde vor wenigen Jahren eine katholische Kathedrale eröffnet. Kein maßgeblicher Politiker im Kosovo käme auch nur auf den Gedanken, die Einführung der Scharia oder ähnlichen Irrsinn zu fordern. Wer das täte, hätte bei Wahlen keine Chance. Doch auch junge Kosovo-Albaner werden im Netz und offline von Terrorbanden wie dem „Islamischen Staat“ oder radikalen Imamen umworben. Deshalb sollten auch wir um sie werben. Dann werden die Islamisten mit ihren steinzeitlichen Lifestyle-Angeboten keine Chance haben, denn wir haben eindeutig mehr zu bieten.

Allerdings müssen wir dafür etwas investieren. Das Arbeitsministerium warnte unlängst, die Anwerbung ausländischer Fachkräfte scheitere oft an der Sprachbarriere. Abhilfe ließe sich leicht schaffen durch die Gründung von mehr deutschsprachigen Schulen in Osteuropa. Das ist nicht Philanthropie, sondern Wirtschaftsförderung. Man kann es nicht oft genug sagen: Jeder in deutsche Auslandsschulen investierte Euro kommt doppelt und dreifach zurück. Die Schulen könnten viel mehr Schüler haben, wenn sie aus dem Bundeshaushalt mehr Mittel bekämen. Und warum nicht außerdem von der Industrie? Die deutsche Schule in Belgrad zum Beispiel könnte leicht die doppelte Anzahl an Schülern aufnehmen, wäre sie nicht längst an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Hochbegabte Schüler abgelehnt

Leider müssen deutsche Auslandsschulen oft sogar hochbegabte Kinder ablehnen, weil die Eltern dieser klugen kleinen Köpfe das Schulgeld nicht aufbringen können. Wie wäre es, wenn die deutsche Wirtschaft und die Bundesrepublik einen Stipendien-Fonds gründeten, damit diese Leistungsträger von morgen an deutschsprachigen Auslandsschulen Abitur machen können? Wir stehen mit Briten, Amerikanern und Franzosen in einem Wettbewerb um die besten Köpfe, in dem Deutschland sich mit relativ wenig Aufwand große Vorteile verschaffen könnte.

Das Geld kommt dreifach zurück

In der kosovarischen Stadt Prizren, wo seit 1999 ein Kontingent der Bundeswehr stationiert ist, gibt es eine Elite-Schule, die als Exzellenz-Initiative unter den deutschen Auslandsschulen entstanden ist. Bei einem Wettbewerb deutscher Auslandsschulen errang sie unlängst den zweiten Platz, ihre Schüler wurden im Januar vom Auswärtigen Amt nach Berlin eingeladen. Die Schule ist nach Ignatius von Loyola benannt, dem Gründer des Jesuiten-Ordens, was in anderen muslimischen Ländern unvorstellbar wäre. An der Loyola-Schule in Prizren werden 700 Schüler in deutscher und albanischer Sprache auf das Leben vorbereitet.

Die Schule ist ein Beispiel dafür, was wir mit unserer Kulturaußenpolitik erreichen können. Man brauchte eigentlich ein halbes Dutzend deutschsprachiger Schulen im Kosovo: zwei in Prishtina, eine im ethnisch geteilten Mitrovica für albanische und serbische Kinder, eine in Peja. Nicht zu vergessen ist dabei ein politischer Aspekt: Die Albaner sind ein kleines Volk, hinter ihnen steht kein Erdogan, der in Deutschland Sporthallen füllt und versucht, die Massen gegen unsere Demokratie und die Idee der Integration aufzuwiegeln.

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