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Kommentar : Gescheitert?

Es kommt immer einiges zusammen, beim Siegen und beim Scheitern. Aus dem Abschied Roland Kochs vom Vorstandsvorsitz lässt sich keine Regel ableiten.

          Gescheitert – dieses Etikett wird gern verwendet. Auch Jogi Löw hätte es umgehängt bekommen, wenn das WM-Finale anders ausgegangen wäre. Es kommt halt immer einiges zusammen, beim Siegen wie beim Verlieren. Auch bei Roland Koch. Sein Ruhm als Wahlkämpfer beruht auf der Anti-Doppelpass-Kampagne, doch mit einem ähnlichen Thema (Ausländerkriminalität) scheiterte er.

          Koch galt als Rechtsausleger, stand aber für die Modernisierung der CDU. Wer in ihm immer schon den Wirtschaftsfachmann sah, der für jeden Job geeignet sei, der konnte nur enttäuscht werden. War es das jetzt? Eigentlich gilt ja in der freien Wirtschaft der Grundsatz, wer ein Projekt gegen die Wand gefahren hat, der ist zu Höherem berufen.

          Nein, aus dem vorzeitigen Abschied vom Vorstandsvorsitz lässt sich keine Regel ableiten, weder über Politiker im Allgemeinen noch über die Person Koch. Immerhin: Er braucht keine soziale Hängematte; so ist wohl seine Versicherung zu verstehen, er wolle nicht in die Politik zurück. Und wenn das Vaterland in Not ist? Der Versuch, jetzt schon Bilanz zu ziehen, ist zum Scheitern verurteilt.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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