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Polizei und Videoüberwachung : Fakten und Gefühle

  • -Aktualisiert am

Ein achtjähriger Junge ist tot: Geblieben sind nicht nur Blumen, sondern auch ein tiefes Unsicherheitsgefühl bei vielen Bürgern. Bild: dpa

Politiker und Sicherheitsbehörden müssen mit Empathie und Ernsthaftigkeit sowohl auf konkrete Bedrohungen als auch auf diffuse Ängste reagieren. Ein schmaler Grat.

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          Die Tat liegt schon einige Tage zurück, doch noch immer wird an Gleis 7 im Hauptbahnhof von Frankfurt an den Tod des achtjährigen Jungen erinnert, der in der vergangenen Woche vor einen Zug gestoßen wurde. Geblieben sind nicht nur Blumen, sondern auch ein tiefes Unsicherheitsgefühl bei vielen Bürgern. Ist der öffentliche Raum noch sicher? Ja, in Deutschland kann man sich – grundsätzlich gesprochen – angstfrei bewegen. 2018 wurden rund 200.000 Straftaten weniger registriert als noch ein Jahr zuvor. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist sogar um 16 Prozent zurückgegangen. Und trotzdem gilt: Überall lauern Gefahren. Wer selbst Opfer einer Straftat geworden ist, dem helfen Statistiken so gar nicht. Aber selbst wer sich nur unsicher fühlt, büßt Lebensqualität ein, zieht sich zurück, wird misstrauisch – gegenüber seinem Nachbarn, aber auch gegenüber dem Staat und der Demokratie. Zu viel Angst ist gefährlich für das Gemeinwesen.

          In politisch und gesellschaftlich unruhigen Zeiten ist es womöglich noch schwieriger als sonst, verantwortungsvoll zu entscheiden. Politische Entschlüsse sollten auf der Basis von Fakten getroffen werden, nicht auf der von Gefühlen, sosehr die Öffentlichkeit nach einer erschreckenden Tat auch nach Symbolen verlangt. Die Bürger dürfen aber zu Recht erwarten, dass Politiker und Sicherheitsbehörden mit Empathie und Ernsthaftigkeit sowohl auf konkrete Bedrohungen als auch auf diffuse Ängste reagieren. Ein schmaler Grat.

          Dass es durchaus gelingen kann, Fakten und Gefühle zusammenzubringen, zeigt das Thema Videoüberwachung. Noch vor wenigen Jahren mussten Kommunalpolitiker jede einzelne Videokamera mühsam gegen Widerstand in der Bevölkerung erkämpfen, auch da war manches Argument der Gegner irrational. Heute wünschen sich viele Bürger mehr Kameras im öffentlichen Raum, weil sie nicht nur ein gutes Gefühl geben, sondern es auch weniger Straftaten in deren Sichtfeld gibt. Ähnlich verhält es sich mit der Polizei. Zu lange wurde sie kleingespart. Inzwischen hat sich der Trend umgekehrt. Die Polizei mit Personal und Ausrüstung besser auszustatten ist eine langfristige Investition in die Sicherheit – objektiv wie subjektiv. Sicherheit beginnt oft im Kleinen, der Effekt ist dafür umso größer.

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

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