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Islam-Kommentar : Der Kern des Problems

Muslime beten auf der Jahreshauptversammlung der muslimischen Bewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat (Archivbild) Bild: dpa

Die AfD und Teile der Union haben sich entschlossen, den Islam mit Islamismus gleichzusetzen. Doch Feindbilder führen zu nichts Gutem.

          Den Widerspruch in seiner Haltung zum Islam und zu den deutschen Muslimen hat Horst Seehofer gleich zu Beginn der von ihm entfachten Debatte selbst formuliert. Er verband den Satz, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, mit der Ankündigung, die Islamkonferenz wiederbeleben zu wollen. Wozu eine solche Konferenz, wenn der Islam doch gar nicht zu Deutschland gehört? Viel grundlegender ist aber ein anderer Widerspruch: Ein Staat, der Religionsfreiheit zu seinen wichtigsten Grundrechten zählt, kann seiner Gesellschaft nicht vorschreiben, welche Religion zu ihr gehört und welche nicht. Seine Aufgabe gegenüber jeglichen Glaubensgemeinschaften besteht darin, dafür zu sorgen, dass sich keine von ihnen anmaßt, diese Grundrechte zu verletzen.

          Darin besteht der Kern des Islam-Problems. In Deutschland ließe sich wohl schnell ein Konsens über den Satz herbeiführen: Der Islamismus gehört nicht zu Deutschland. Wer außer den Islamisten, von denen es allerdings auch in Deutschland immer mehr gibt, wollte ihm widersprechen? Wo aber hört der Islam auf und fängt der Islamismus an? Um sich die Sache leichtzumachen, haben sich die AfD und offenbar auch Teile von CSU und CDU dazu entschlossen, beides einfach gleichzusetzen. Dadurch ist nur ein Islam vorstellbar, der dem Staat mit Gewalt die Scharia aufzwingen will. Die AfD braucht ein solches Feindbild, um nach außen und innen Stimmung machen zu können. Die CSU braucht es vielleicht nur vor der Bayernwahl; sie gefährdet damit aber die politische Lehre, die gerade die Union aus den zerstörerischen Kräften solcher früher konfessioneller Feindbilder gezogen hat. Im aktuellen Fall entstehen sie durch eine Islam-Interpretation, die dieser Religion genau das abspricht, was immer wieder von ihr verlangt wird: die Fähigkeit zu einer historisch-kritischen Aufklärung ihrer Glaubensinhalte, die zu einer Versöhnung mit der westlichen Auffassung von Staat und Gesellschaft führt.

          Feindbilder führen zu nichts Gutem. Es ist richtig, dass Deutschland bislang von einer christlich-jüdischen Tradition geprägt wurde – wobei Juden zu Recht sarkastisch fragen dürfen, ob sie nicht eigentlich immer wieder nur die Opfer dieser Tradition waren. Der Antisemitismus gehört aber hoffentlich ein für alle Mal nicht mehr zu Deutschland. Das und vieles andere mehr wird darüber entscheiden, ob der Islam zu Deutschland gehört. Eines Tages.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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