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Kommentar : Chefsache ADAC

Aus den hilflosen Formeln von Justizminister Maas spricht auch das schlechte Gewissen der Politik, deren Türen für den Mega-Verein ADAC stets offen waren. Offen sein mussten.

          Zu viel Selbstvertrauen!“ Mit Ausrufezeichen beantwortete ein früherer ADAC-Präsident einst die Frage des Magazins dieser Zeitung nach seinem größten Fehler: Wie soll es auch anders sein bei einem Verein mit knapp zwanzig Millionen Mitgliedern, der sich nicht ganz zu Unrecht als rechtmäßiger Vertreter des deutschen Autofahrers schlechthin sieht. Da kann man schon abheben, nicht nur mit dem Hubschrauber. Der Absturz eines so großen Raumschiffs ist dann umso härter.

          Der Fall ADAC war stets Chefsache. Es erschien von Anfang an unwahrscheinlich, dass nur der Chefredakteur der einflussreichen Mitgliederzeitschrift von der Straße der Tugend abgekommen war. Der Rücktritt des ADAC-Präsidenten, der seinem Hinauswurf zuvorkam, ist noch in anderer Hinsicht Chefsache: Die Bundesregierung hat von Anfang an deutlich gemacht, dass sie mehr erwartet als den Rücktritt eines Pressesprechers und die Ankündigung von Reformen.

          Genauer gesagt, es war der neue Justizminister Heiko Maas (SPD), der sich gerade der Republik bekannt macht und der ebenfalls nicht unter schwachem Selbstbewusstsein leidet. Wohl weil er sich zugleich Verbraucherschutzminister nennen darf, hatte er nach den ersten Vorwürfen gemahnt, der Verein müsse Vertrauen zurückgewinnen. Jetzt fordert er „größtmögliche Transparenz“ und „gute Unternehmensführung“. Schon klar: Die „Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass Produkttests und Umfragen nicht manipuliert werden“.

          Aber aus diesen hilflosen Formeln spricht auch das schlechte Gewissen der Politik, deren Türen für den Mega-Verein stets offen waren – offen sein mussten. Der ADAC-Präsident betonte kurz vor dem Rücktritt, der Verein werde als „Lobbyorganisation“ gehört. Zweifellos. Doch erweckte der Club stets den Eindruck, er habe ein direktdemokratisches und allgemeinpolitisches Mandat. Nicht nur zur Durchsetzung „freier Fahrt für freie Bürger“ (auch darüber wurde nie abgestimmt), sondern auch für Fragen der Infrastruktur-, Energie- und Europapolitik. Man darf aber auch vermuten, dass sich die Deutschen, sowenig sie sich an Abstimmungen über den „Gelben Engel“ beteiligten, so schlecht vom Traditionsclub nun auch nicht vertreten sahen. Er wird ihnen erhalten bleiben. Auch der zurückgetretene „Vereinsmeyer“ will ja Präsident des Regionalclubs Nordrhein bleiben.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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