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AfD in Chemnitz und Köthen : Wer Gleiches denkt, gesellt sich gern

Demonstration in Köthen Bild: dpa

In Köthen schließen sich Rechtsextreme dem „Trauermarsch“ der AfD an – und auch sonst hat die Partei viele Berührungspunkte mit Verfassungsgegnern und rechtsextremistischen Organisationen.

          Die Leute von der AfD wollen keine Parolen hören. Es soll Stille herrschen auf ihrem „Trauermarsch“. Rund 550 Menschen stehen am Montagabend auf dem Marktplatz von Köthen. Gerade erst ist in der Jakobskirche die Andacht für Markus B. zu Ende gegangen, der in der Nacht zum Sonntag nach einer Schlägerei mit Afghanen an einem Herzversagen gestorben war. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte teilgenommen.

          Nun ist die AfD dran, mit einem sogenannten Trauermarsch durch Köthen. Zwei ihrer Landtagsabgeordneten ergreifen das Wort, Hannes Loth und Daniel Roi. „Ich möchte keine Rufe hören“, sagt Loth. „Das ist keine politische Veranstaltung.“ Es gehe darum, zu trauern, das sagt auch Roi. „Mit Markus ist ein Mensch aus unserer Mitte gerissen worden.“ Trotz der Beteuerung, es gehe nicht um Politik, holt Roi zu einem kurzen Rundumschlag aus. „Gestern Chemnitz, heute Köthen“, sagt er. Und die Medien, die von einem Herzversagen sprächen. Den Bericht der Gerichtsmedizin, auf den sich Medien beziehen, zieht er zwischen den Zeilen in Zweifel. Dann folgt eine Schweigeminute, und schon ziehen sie los.

          Chemnitz und Köthen sind Teile eines größere Systems

          Größtenteils wird tatsächlich geschwiegen. Rufe sind nicht zu hören. Der Zug schlängelt sich durch die Altstadtgassen in Richtung Karlsplatz, dem Spielplatz, wo Markus B. bei der Schlägerei zu Boden ging. Vorweg tragen ein paar Demonstranten ein schwarzes Transparent, darauf ist zu lesen: „Wir trauern um einen Menschen.“ Je weiter der Zug voranschreitet, desto häufiger stecken Anwohner ihre Köpfe aus den Fenstern. Mittlerweile ist das Ritual erprobt, nur die Reihenfolge nicht. Kommt ein Deutscher bei einer Konfrontation mit einem Flüchtling zu Tode, fahren AfD-Politiker und Rechtsextremisten in den Ort und bekunden ihre Betroffenheit. Die Blutlache am Boden, der Kreideumriss des Verstorbenen, die Blumen und Kerzen der wirklich Schmerzerfüllten werden zur Kulisse für das, was folgt.

          In Chemnitz waren AfD-Vertreter zuerst am Tatort, erst später kamen rechtsextreme Hooligans und Nationalsozialisten der Partei „III. Weg“ hinzu. Tage später folgte wieder eine AfD-Demonstration. In Köthen waren die Rechtsextremisten der Partei „Die Rechte“ schneller, erst am Folgetag marschierte die AfD durch den Ort. Und irgendwo im Getümmel vermischten sich in Köthen und Chemnitz die Anhänger beider Lager mit tatsächlich trauernden Bürgern, die sich über die Hitlergrüße der anderen wunderten und über Sprechchöre wie „Nationaler Sozialismus! Jetzt! Jetzt! Jetzt!“ Oder: „Wir sind die Fans! Adolf-Hitler-Hooligans!“ Manche Demonstranten protestierten dagegen, andere liefen einfach mit.

          Chemnitz und Köthen sind nur ein Puzzleteil. Seit Jahren schon gibt es Berichte über Kontakte zwischen AfD-Vertretern und Rechtsextremisten. Es geht nicht um einen klandestinen Geheimbund von Verfassungsfeinden, die sich im Kerzenschein die Treue schwören. Stattdessen wirken die Kontakte wie die Ursache einer ganz natürlichen Nähe. Ähnlich wie auf der linken Seite des Spektrums, wo das Phänomen vertrauter ist. Überschneidungen zwischen Vertretern der Linksjugend Solid, der Grünen Jugend und der linksextremen Antifa sind keine Überraschung.

          Fließende Übergänge von Rechtsextremismus zu AfD

          Ähnlich verhält es sich – dem Prinzip nach – mit Aktivisten der rechtsextremen „Identitären Bewegung“. Niemals würden sie der AfD oder ihrer Jugendorganisation „Junge Alternative“ beitreten, weil sie die Parteiendemokratie ablehnen. Aber die politischen Gemeinsamkeiten sind beiden Seiten bewusst. Man kennt sich. „Wir sehen einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus und Verbindungen zur ,Identitären Bewegung‘“, sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) kürzlich über den dortigen Landesverband der AfD.

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