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Kardinal hadert mit Papst : Woelkis Zorn auf den „alten Mann“ in Rom

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln (Archivbild) Bild: dpa

Der Kölner Kardinal Woelki trennt sich von seinem wichtigsten Mitarbeiter. Die Umstände sind dubios. Dem Vatikan wirft Woelki Illoyalität vor.

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          Markus Hofmann, als Generalvikar des Erzbistums Köln die rechte Hand von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, hat sein Amt zur Verfügung gestellt. Nach einer Darstellung der Pressestelle der mitgliederstärksten Diözese dient dieser Schritt der „weiteren Professionalisierung“ der Bistumsverwaltung. Während der fünfmonatigen Auszeit, die Papst Franziskus im September zur Strafe für schwere Kommunikationsfehler im Umgang mit Missbrauchsgutachten und Betroffenen verhängt hatte, sei Woelki zu der Überzeugung gelangt, dass es Zeit für einen „Systemwechsel“ sei.

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          Künftig solle es in der Bistumsverwaltung drei klar profilierte Geschäftsbereiche geben. Ein Generalvikar könne sich vorrangig um seine „zahlreichen pastoralen Aufgaben“ kümmern, derweil ein „Amtschef“ die Verwaltung zeitgemäß organisiert. Über den dritten Bereich Wirtschaft wurde nichts gesagt. Warum Hofmann für das von vielen Aufgaben entlastete Amt des Generalvikars vom Sommer an nicht zur Verfügung steht, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor – und das, obwohl er sich mit den Worten zitieren ließ, er halte die neue Aufgabenverteilung für richtig. Er sei schließlich Theologe und kein Wirtschafts- oder Verwaltungsfachmann.

          Woelki, der 2014 Erzbischof von Köln geworden war, hatte Hofmann Anfang 2018 zu seinem Generalvikar gemacht. Vorangegangen war ein Zerwürfnis mit Dominik Meiering, der seit 2015 das Alter Ego des Kardinals gewesen war. Während der „Kölner Wirren“ um das Agieren Woelkis in der Missbrauchskrise der katholischen Kirche zählte Hofmann zu den wenigen Mitgliedern der Bistumsleitung, denen der Kardinal noch vertraute. Der 54 Jahre alte Geistliche koordinierte nicht nur die Anstrengungen, die Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl mit juristischen Mitteln und mit großem PR-Aufwand zu verhindern, sondern verantwortete auch die offiziell mit 2,3 Millionen Euro bezifferten Kosten dieses Vorgehens.

          Neuerliche finanzielle Unregelmäßigkeiten

          Während der „Auszeit“ Woelkis mehrten sich indes Hinweise, dass es mit dem Finanzgebaren Hofmanns und des Finanzdirektors Gordon Sobbeck nicht immer seine Richtigkeit gehabt haben könnte. Weihbischof Rolf Steinhäuser, der von Papst Franziskus für fünf Monate als Verwalter eingesetzt worden war, veranlasste daraufhin eine kirchenrechtliche Überprüfung der einschlägigen Vertragsgestaltungen. Das von unabhängiger Seite erstellte Gutachten liegt seit Monaten im Vatikan und wird dort bislang so wenig ernst genommen wie Weihbischof Steinhäuser selbst.

          Im Mittelpunkt der Pressemitteilung über die Professionalisierung der Verwaltung und den Rücktritt Hofmanns standen indes neuerliche finanzielle Unregelmäßigkeiten. Hofmann und Sobbeck wurden als Überbringer der Nachricht beschrieben, wonach „im Rahmen eines verwaltungsmäßigen Routinevorgangs“ eine „vertragliche Regelung ungewöhnlichen Inhalts“ bekannt geworden sei. Diese habe sowohl für das Erzbistum Köln als auch für eine nicht näher bezeichnete Stiftung eine „erhebliche und langfristige wirtschaftliche Bindungswirkung“. Gleichwohl sei sie weder beim Erzbistum noch bei der fraglichen Stiftung bilanziert.

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