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Koch und die CDU : Es kam, was mancher kommen sah

  • -Aktualisiert am

Roland Koch: Der Weg nach Berlin war versperrt Bild: Helmut Fricke; F.A.Z.

Schon länger wurde in der Union über Roland Kochs Zukunftsabsichten spekuliert: Der Hesse habe genug vom Ministerpräsidentenamt und erwäge einen Rückzug aus der Politik. Gleichwohl wurde er immer wieder gehandelt - als EU-Kommissar, Finanzminister oder sogar als Bundeskanzler.

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          Seit Jahren gab es um Roland Koch jene Differenz zwischen den öffentlichen Vermutungen und den internen Einschätzungen. Auf der einen Seite standen die Spekulationen, er wolle Bundesfinanzminister, EU-Kommissar, vielleicht sogar Bundeskanzler werden. Ein „Nichts von alledem“ stand dagegen.

          Ob sein Wechsel nach Berlin ausgeschlossen sei, war der Hesse Koch in den Tagen nach der Niederlage seiner Partei in Nordrhein-Westfalen gefragt worden. Die Antwort war knapp gehalten – in einer Diktion, die Entschlossenheit dokumentieren sollte. „Ich bin Ministerpräsident von Hessen. Dabei bleibt es. Punkt. Aus“, hat er dem „Hamburger Abendblatt“ gesagt. Das war am 10. Mai gewesen, einen Tag nach der Niederlage von Jürgen Rüttgers. Zwei Wochen später hat das so nicht mehr gestimmt.

          Seit Jahren freilich hatte es – vor allem bei maßgeblichen CDU-Politikern – stets auch die andere Einschätzung gegeben, jene nämlich, dass Koch genug habe von der Aufgabe, als Ministerpräsident das Bundesland Hessen zu regieren oder überhaupt in der Politik aktiv zu sein.

          Haushaltspolitik, Bildung oder Kinderkrippen: Die Kanzlerin und Koch hatten anscheinend zuletzt verschiedene Orientierungen

          Es zog ihn nie wirklich nach Berlin

          Er sei noch vergleichsweise jung. Er interessiere sich nicht bloß für Politik. Er könne sich vorstellen, auch anderswo tätig zu sein. Es habe ihn nicht wirklich nach Berlin gezogen. Stets wurde auch darauf verwiesen, Koch hätte, wenn er wirklich gewollt hätte, schon vor Jahren in ein Kabinett der Bundesregierung eintreten können. Doch 2005, als die große Koalition gebildet wurde, entsandte er seinen Vertrauten Franz Josef Jung nach Berlin.

          Jung wurde Verteidigungsminister. Jung machte seine Sache ordentlich und loyal, aber – auch aus Sicht von CDU-Führungspolitikern – nicht überragend. Koch hätte also, hätte er gewollt, im vergangenen Jahr nach Berlin gehen können – freilich um den Preis, dass Jung hätte zurückstecken müssen. Jung blieb, wurde Arbeitsminister und musste dann – wegen der Kundus-Affäre – zurücktreten.

          Der Weg von Koch nach Berlin war versperrt. Die hessische CDU hatte auf das gewichtige Amt des Bundesarbeitsministers zu verzichten. Mit der jungen Bundestagsabgeordneten Kristina Köhler (nach ihrer Hochzeit nun: Schröder) erhielt sie das Ressort für Jugend und Familie. Sie war nicht wie Jung die Stellvertreterin Kochs in Berlin. Nun gab sie zu Protokoll, für sie sei Kochs Rückzug „relativ überraschend“ gekommen.

          Es fügte sich, dass in der CDU-Führung nach den beiden hessischen Landtagswahlen 2008 und 2009 Zweifel an Kochs Zukunft in der Politik aufkamen. Zunächst verlor er mit seiner CDU zwölf Prozentpunkte. Trotz der SPD-Linkspartei-Verwerfungen konnte er keinen Boden gutmachen.

          „Den alten Koch wird es nicht mehr geben“

          Ein Berliner CDU-Kabinettsmitglied fasst Kochs Überlegungen aus dem März 2008 so zusammen: „Koch will eigentlich nicht mehr Ministerpräsident in Hessen bleiben. Er sieht die Schwierigkeiten und den Vorwurf, er klebe an seinem Sessel. Den alten Koch wird es nicht mehr geben, auch in der Bundes-CDU nicht. Das ist vorbei. Vielleicht sucht er sich einen neuen Job in der Wirtschaft. Zur Zeit aber darf er das Ministerpräsidentenamt nicht verlassen.“

          Wenig später, im Mai 2008, äußerte sich ein CDU-Ministerpräsident in diesem Sinne: „Koch wechselt nicht nach Berlin. Vielleicht steigt er in zwei Jahren aus Politik aus und geht in die Wirtschaft.“ So sollte es kommen.

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