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Koch geht, Bouffier kommt : Gehen ohne Leiden

Der neue Ministerpräsident in Hessen, Volker Bouffier (CDU), drückt dem ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) die Hand. Bild: dpa

Roland Koch musste erst Abschied nehmen, um sich größerer Sympathien versichern zu können. Wie sein Nachfolger Volker Bouffier das schafft, steht noch nicht fest. Der neue Ministerpräsident erhielt offenbar sämtliche Stimmen der Regierungskoalition.

          Beim Abschiedsempfang für Roland Koch im Wiesbadener Schloss Biebrich hatte Volker Bouffier am Montagabend voreilige Gratulanten noch mit einem nervösen Lachen abgewehrt. „Erst mal muss ich noch gewählt werden.“ Am Dienstagmittag um 14.08 Uhr war es dann soweit. Als Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) verkündete, dass auf den Wahlvorschlag Bouffier 66 Stimmen entfallen seien, brandete ein langes „Jaaaaaa“ von den Regierungsbänken herüber: Der bisherige Innenminister Bouffier erhielt bei der Wahl zum neuen hessischen Ministerpräsidenten alle Stimmen der Koalition.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Selbst Abgeordnete wie der von Bouffier als einziger Minister aus dem Kabinett verbannte Jürgen Banzer stimmten also loyal für den neuen Mann, der seit Jahren als eine Art Kronprinz auf die Nachfolge Roland Kochs gewartet hat. Sein langjähriger Weggefährte stand nach der glatt verlaufenen Wahl auf und heftete dem 59 Jahre alten Bouffier den Regierungssticker mit dem hessischen Löwen ans Revers. Mit wehmütigem, nach innen gekehrtem Blick hatte Koch eine halbe Stunde zuvor nach einer kurzen letzten Dankesrede auf seinem Abgeordnetenplatz in der ersten Reihe der CDU-Fraktion gesessen.

          Er mag daran gedacht haben, dass nun „der Stecker rausgezogen ist“, wie er in einem Interview gesagt hatte, und nun das neue, unbekannte Leben jenseits der Politik beginne. Eine Politik, die erste Früchte trug, als sich der kaum erwachsene Jungunionist aus Eschborn Ende der siebziger Jahre mit dem sechs Jahre älteren Gießener Parteifreund Bouffier verbündete, um erst die Honoratiorenpartei CDU und dann das „rote Hessen“ von der SPD zu erobern.

          Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit seinem neuen Kabinett.

          Thorsten Schäfer-Gümbel klatschte mit mürrischem Gesicht

          Den Sozialdemokraten auf ihren Oppositionsbänken war anzusehen, dass sie diese Eroberung ihrer einstigen Hochburg auch nach elfeinhalb Jahren Koch immer noch nicht verwunden haben. Als dieser seine letzte Rede beendet hatte, klatschte der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel mit mürrischem Gesicht ein paarmal lustlos in die Hände. Andrea Ypsilanti, die Koch im November 2008 mit den Stimmen der Linkspartei so gerne abgelöst hätte, hielt ihre Hände im Schoß gefaltet und schaute traurig ins Leere.

          In einer kurzen ersten Rede, die seine für den 7. September geplante Regierungserklärung nicht vorwegnehmen sollte, richtete der wie Koch als rhetorischer Haudegen bekannte Bouffier ausdrücklich und mehrfach versöhnliche Worte an die Opposition: „Ich bitte alle Abgeordneten, die mir das politische Vertrauen nicht schenken wollten, mir das menschliche Vertrauen nicht zu versagen.“ Er biete angesichts der „gewaltigen Aufgaben“, vor denen seine Regierung stehe, der Opposition eine „faire und konstruktive Zusammenarbeit“ an. „Konfrontation aus Prinzip wird der demokratischen Aufgabenteilung zwischen Regierung und Opposition nicht gerecht.“ Dass er mit diesen Worten aus der Regierungserklärung des früheren SPD-Ministerpräsidenten Holger Börner aus dem Jahr 1978 zitierte, machte das Angebot für die SPD-Fraktion nicht attraktiver, wie an den säuerlichen Gesichtern vieler Abgeordneter abzulesen war.

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