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Koalition in Sachsen-Anhalt : Schwarz-Rot-Grün einigt sich auf Koalitionsvertrag

  • Aktualisiert am

Der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff (CDU, l-r), die Grünen-Landesvorsitzende Cornelia Lüddemann und der SPD-Landesvorsitzende, Burkhard Lischka am 16. April in Magdeburg. Bild: dpa

Die Spitzen von CDU, SPD und Grünen haben sich auf einen Koalitionsvertrag verständigt und alle Posten der neuen Regierung in Magdeburg vergeben. Nach Amtsantritt soll es ein Sofortprogramm geben.

          Die bundesweit erste schwarz-rot-grüne Koalition in Sachsen-Anhalt steht. Die Parteispitzen einigten sich am Dienstag in Magdeburg endgültig auf den Koalitionsvertrag und die Ressortverteilung. Am Freitag und Samstag müssen noch Parteitage grünes Licht für das Regierungsbündnis geben. Am Montag könnte dann Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) für weitere fünf Jahre zum Ministerpräsidenten gewählt werden.

          Mit Bekanntgabe der Einigung kündigte Haseloff ein Sofortprogramm der neuen Landesregierung an. Es würden nun mehr Polizisten und Lehrer eingestellt, die Vorgaben des Stabilitätsrates für die Konsolidierung des Haushaltes aber auch künftig eingehalten. „Es lohnt sich, in eine gemeinsame Koalition zu gehen“, sagte Haseloff. Bereits der alte Landtag hatte sich fraktionsübergreifend dafür ausgesprochen, dass die Zahl der Polizisten von knapp 6000 um mehrere hundert wieder erhöht wird. Ursprünglich war dagegen ein weiterer Abbau geplant.

          SPD-Chef Burkhard Lischka nannte die Einigung eine „Vernunftehe“. Es sei keine Liebe auf den ersten Blick gewesen. Die SPD spüre aber ihre Verantwortung. „Die SPD wird wirklich für diese Regierung kämpfen“, sagte Lischka. „Alles andere wäre für dieses Land eine Katastrophe.“ Die SPD war nach der Landtagswahl, bei der sie nur noch auf rund zehn Prozent der Stimmen gekommen war, in eine tiefe Krise gestürzt. Der Vorstand trat auf Druck der Basis geschlossen zurück. Lischka, der für die SPD im Bundestag sitzt, soll die Partei nun innerhalb von zwei Jahren neu aufstellen.

          Die Grünen hatten in den Koalitionsverhandlungen zunächst auf zwei Ministerien gepocht - konnten sich damit aber nicht durchsetzen. Die bisherige Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert war als Expertin für Hochschulen und Bildung eigentlich für das Kultusministerium im Gespräch. Die Basis verlangte aber, dass die Grünen den Bereich Umwelt übernehmen. Dalbert sagte nach der Einigung, sie sei jetzt zuversichtlich, dass die Basis Rückendeckung gebe.

          Bauern gegen grünes Ministerium

          Bei der CDU hatte es zuletzt vor allem Widerstand gegen die Grünen gegeben. An der Basis warnten einige Mitglieder davor, den Grünen zu viel Einfluss zu geben. Für Unruhe sorgt in der CDU auch das starke Abschneiden der rechtspopulistischen AfD, die bei der Wahl fast jede vierte Stimme bekommen hatte. Einzelne Kommunalpolitiker sprachen sich daher gegen eine Koalition und stattdessen für eine Minderheitsregierung mit wechselnden Mehrheiten aus. Dies hatte Haseloff - der für eine stabile Regierung geworben hatte - allerdings stets ausgeschlossen.

          Die Ressortverteilung sieht nun so aus, dass die Grünen das neu zugeschnittene Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie führen sollen. Ressortchefin soll Fraktionschefin Dalbert werden. Die SPD erhält demnach zwei Ressorts, und zwar das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration sowie das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung. Die übrigen sechs Ressorts - inklusive Staatskanzlei - übernimmt die CDU. Sie will die konkrete Besetzung erst später nennen. Als gesetzt gelten aber Verkehrsminister Thomas Webel und Innenminister Holger Stahlknecht.

          Haseloff sagte, zuletzt sei noch intensiv darüber verhandelt worden, ob die Grünen im Umweltministerium statt der Landwirtschaft besser den Baubereich übernehmen. Dies hätten die Grünen aber letztlich abgelehnt. Bauernverbände hatten kritisiert, dass ihr Bereich in die Hände der Grünen gehe.

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