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Erste Reise als Kanzler : Als Adenauer vor dem Papst kniete

Beeindruckender Empfang für den Kanzler: Konrad Adenauer (Mitte) am 15. Juni 1951 in Rom. Bild: AP

„Wir waren wie die Studenten“: Die erste Auslandsreise des ersten Bundeskanzlers führte nach Rom. Für den Italien-Freund Konrad Adenauer wurde es ein unvergessliches Erlebnis.

          3 Min.

          Konrad Adenauer hat als Bundeskanzler unzählige Lorbeerkränze mit schwarz-rot-goldenen Schleifen niedergelegt. Aber das, was am 15. Juni 1951 in Rom am Grabmal des Unbekannten Soldaten vor sich ging, ließ auch den ersten Bundeskanzler nicht unbeeindruckt, der sonst für militärisches Zeremoniell kaum zu begeistern war: Ehrenformationen von Heer, Marine und Luftwaffe der italienischen Armee waren angetreten. Carabinieri in Paradeuniform mit rotem Helmbusch standen Spalier, und die Musikkapelle des 1. Grenadierregiments aus Sardinien spielte einen Marsch, während Adenauer den Kranz niederlegte. Er wurde das erste Mal mit allem Pomp empfangen, den das Protokoll für einen ausländischen Regierungschef aufzubieten hat. Für Adenauer begann am 14. Juni 1951 der erste offizielle Auslandsbesuch als Bundeskanzler, für die junge Bundesrepublik eine weitere Etappe in Richtung außenpolitische Selbständigkeit.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Dass die erste offizielle Auslandsreise den Kanzler ausgerechnet nach Rom führte, lag nicht an der Italien-Sehnsucht des Bildungsbürgers Adenauer. Der Grund war schlicht, dass die Regierung in Rom die erste war, die den deutschen Regierungschef sechs Jahre nach Kriegsende eingeladen hatte. Hinzu kam, dass sich Adenauer nach dem Urteil seines Biographen Hans-Peter Schwarz dem italienischen Ministerpräsidenten Alcide De Gasperi enger verbunden fühlte als jedem anderen christlichen Demokraten in Europa, nicht zuletzt deshalb, weil er im Gegensatz etwa zum französischen Außenminister Robert Schuman nicht zugleich Vertreter einer Besatzungsmacht war. Adenauer sah in De Gasperi, der sich im Europarat und in der NATO für eine Aufnahme Deutschlands als gleichberechtigtes Mitglied einsetzte, den wichtigsten Verbündeten für die Abwehr der „bolschewistischen Gefahr“ in Europa an der Seite der Vereinigten Staaten.

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