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Studie im Greenpeace-Auftrag : Klimaziel 2020 für Deutschland noch erreichbar

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Im bayerischen Grainau spannten Greenpeace-Aktivisten vergangene Woche ein Transparent oberhalb des Schneefernergletschers auf der Zugspitze auf. Bild: dpa

Noch könnte der Ausstoß von Treibhausgasen wie geplant reduziert werden, prognostizieren Forscher des Fraunhofer-Instituts – und schlagen eine Lösung vor. Umweltschützer fordern die Politik zum Handeln auf.

          Deutschland kann sein Klimaziel für 2020 einer aktuellen Studie zufolge noch erreichen. Durch Abschalten und Drosseln von Braunkohlekraftwerken ließe sich der Ausstoß von Treibhausgasen in den verbleibenden beiden Jahren noch auf die geplanten 40 Prozent des Niveaus von 1990 reduzieren, erklärte Norman Gerhardt vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik am Donnerstag in Berlin. Das Institut hatte die Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace erstellt.

          Dem jüngsten Klimaschutzbericht der Bundesregierung zufolge liegt Deutschland derzeit bei rund 32 Prozent Rückgang. Dass das Ziel von 40 Prozent damit verfehlt würde, wird unter anderem auf die gute wirtschaftliche Entwicklung zurückgeführt.

          „Die Bundesregierung muss jetzt handeln“, forderte die Greenpeace-Energie-Expertin Anike Peters. Entgegen der Versprechen sei der Ausstoß von Treibhausgasen bislang nicht gesunken, sondern auf einem zu hohen Niveau geblieben. „Jede weitere Verzögerung im Klimaschutz kann gravierende Folgen haben.“ Dürre, Waldbrände und Starkregen hätten im Hitzesommer 2018 enorme Schäden verursacht.

          Etwa ein Drittel der Braunkohlekraftwerksblöcke in Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen solle abgeschaltet werden, verlangte die Greenpeace-Expertin. Es gehe vor allem um ältere Kraftwerke. Nach Einschätzung der Organisation wäre daher auch keine staatliche Entschädigung für die Betreiber fällig. „Der Einstieg in den Kohle-Ausstieg muss jetzt endlich starten“, meinte Peters. Greenpeace fordert einen kompletten Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2030.

          Erneuerbare Energien könnten den Wegfall ausgleichen

          Studien-Autor Gerhardt erläuterte, dass durch die Stilllegung und das Drosseln von Braunkohlekraftwerken im Umfang von rund 13,5 Gigawatt Leistung die Versorgungssicherheit nicht gefährdet sei. Auch die Strompreise würden nicht steigen.

          Einen Teil der wegfallenden Kapazität würde der Analyse zufolge der weitere Ausbau von Wind-, Sonnen- und Wasserkraftwerken ausgleichen. Zudem würde Deutschland zunächst vom Stromexporteur zum -importeur. Dadurch könnte zwar auch mehr Atomstrom, vor allem aber mehr Energie aus klimafreundlicheren Gaskraftwerken importiert werden, erklärte Gerhardt.

          Der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich mahnt indes, die Warnsignale des Klimawandels nicht zu übersehen. „Niemand kann sich aus der Verantwortung stehlen“, schrieb der katholische Geistliche in einem Gastbeitrag für die „B.Z.“ (Donnerstag). „Jeder von uns sollte seinen Beitrag leisten, damit Gottes Schöpfung und unsere Umwelt lebenstauglich bleiben.“

          Der aktuelle Sommer verdeutlicht aus Sicht der Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, jedem die Folgen des Klimawandels. „Alle spüren, dass sich etwas verändert hat“, sagte sie der „Frankfurter Rundschau“. Leider sehe sie bei der Frage des Klimaschutzes weder bei der SPD noch bei der Union den Willen zu „den dringend notwendigen und grundlegenden Reformen“.

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