https://www.faz.net/-gpf-9u1pj

Extremwetter : Deutschland mit am stärksten von Klimaschäden betroffen

  • Aktualisiert am

Opfer der Hitze: Sonnenblumen auf einem Feld nahe Frankfurt im vergangenen Sommer. Die Temperaturen erreichten einen neuen Höchststand. Bild: AP

Laut Klima-Risiko-Index steht Deutschland erstmals auf dem dritten Platz – direkt hinter Japan und den Philippinen. Dennoch tragen Entwicklungsländer die Hauptlast der Folgen des Klimawandels.

          2 Min.

          Deutschland hat laut einem Ranking der Entwicklungsorganisation Germanwatch im vergangenen Jahr erstmals zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten gezählt. Wegen der Hitzewellen, Stürme und Dürren des Jahres 2018 landete Deutschland hinter Japan und den Philippinen auf Platz drei im Klima-Risiko-Index, den Germanwatch am Mittwoch auf der Weltklimakonferenz in Madrid vorstellte. Das gab es in der 14-jährigen Geschichte des Ländervergleichs noch nie. Im Langfrist-Index, der die Jahre 1999 bis 2018 auswertet, sind Puerto Rico, Burma und Haiti die Länder, die am stärksten von Stürmen, Überflutungen und Dürren betroffen waren.

          Der jährlich veröffentlichte Klima-Risiko-Index basiert auf einer Datenbank des Rückversicherers Munich Re und Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er vergleicht die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden nach Kaufkraftparitäten, und zwar sowohl die absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl und zum Bruttoinlandsprodukt.

          Die weltweite Erderwärmung lässt Extremwetter-Ereignisse wie Trockenphasen und Stürme häufiger und stärker werden. In den vergangenen 20 Jahren hätten insgesamt mehr als 12.000 solcher Ereignisse knapp eine halbe Million Menschen das Leben gekostet und kaufkraftbereinigt rund 3,5 Billionen Dollar Schäden verursacht, teilte Germanwatch mit.

          Entwicklungsländer leiden stärker

          „Der Klima-Risiko-Index zeigt, dass massive Klimawandelfolgen weltweit zunehmen – sie treffen immer öfter auch Industrienationen wie Deutschland oder Japan“, sagte einer der Autoren der Studie, Maik Winges. „Im Vergleich sind aber die ärmsten Staaten der Welt den noch größeren Risiken ausgesetzt.“ Sie bekämen bisher kaum Hilfe für Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels, also den Industriestaaten. Teils fehlten auch Daten, weswegen die Schäden in diesen Ländern eher unterschätzt würden.

          Im Langfrist-Index sind sieben der zehn am stärksten betroffenen Länder Entwicklungsländer mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Wie die teils verheerenden Schäden in diesen Ländern finanziell bewältigt werden können, ist eines der Themen auf der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Madrid, die am Montag begonnen hat und zwei Wochen dauert. Die internationale Klimafinanzierung ist in der Regel dafür gedacht, ärmeren Ländern dabei zu helfen, ihren Treibhausgas-Ausstoß zu senken und sich an den Klimawandel anzupassen.

          „Wir beobachten in Ländern wie Haiti, den Philippinen oder Pakistan in so kurzen Abständen wiederkehrende extreme Wetterlagen, dass diese Länder kaum Gelegenheit haben, sich nach Wetterkatastrophen zu erholen“, sagte Vera Künzel, eine der Autorinnen. Puerto Rico sei ein Beispiel für eine wachsende Zahl von Ländern, in denen etwa ein einziger Hurrikan so massive Schäden anrichte, dass Regionen viele Jahre für den Wiederaufbau benötigten. Arme Länder bräuchten nicht nur Hilfe bei der Anpassung an den Klimawandel, sondern auch für unvermeidbare Schäden und Verluste, so Künzel.

          Ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) geht davon aus, dass die EU ihre Ziele in der Umwelt- und Klimapolitik voraussichtlich verfehlen wird. Der Energieverbrauch stieg demnach zuletzt wieder, die Treibhausgasemissionen im Landwirtschafts- und Transportsektor gehen nicht zurück und der Verlust der Biodiversität setzt sich fort. Ein Erreichen der längerfristigen Ziele für 2030 und 2050 sei aber noch möglich.

          Der EEA-Bericht unterstreicht dass zwar Anstrengungen unternommen wurden. So seien die gesamten Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2017 etwa um 22 Prozent gesunken und der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch liege heute deutlich höher. Ausreichend sei das aber nicht. Die EEA-Experten kommen etwa zu dem Schluss, dass von den 13 für 2020 festgelegten Zielen zum Schutz der biologischen Vielfalt nur zwei im nächsten Jahr erreicht werden können: die Schaffung von Schutzgebieten im Meer und an Land. Der Schutz von Arten und natürlichen Lebensräumen, Feuchtgebieten, marinen Ökosystemen und Böden ist demnach nach wie vor unzureichend.

          Weitere Themen

          Selenskyj lehnt Rücktritt seines Regierungschefs ab Video-Seite öffnen

          Zweite Chance : Selenskyj lehnt Rücktritt seines Regierungschefs ab

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Rücktrittsgesuch seines Regierungschefs Olexii Gontscharuk abgelehnt. Gontscharuk hatte zuvor seinen Rücktritt eingereicht, nachdem ein Tonmitschnitt mit abfälligen Bemerkungen des Regierungschefs über den Präsidenten bekannt geworden war.

          Lernen von der Bundeswehr

          Deutsche Soldaten im Irak : Lernen von der Bundeswehr

          Was kann ein junger Leutnant aus Sachsen oder Bayern einem kriegserprobten Kurden überhaupt beibringen? Einiges – und am Ende lernt auch der Deutsche noch etwas dazu.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.