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Demonstrationen in Bonn : Wenn Klimaschutz auf Karneval trifft

  • Aktualisiert am

Aus der Freiheitsstatue des dänischen Künstlers Jens Galschiot zieht Rauch auf. Bild: GUELLAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

In Bonn zieht ein närrisch-bunter Protestzug durch die Stadt, um der Weltklimakonferenz zur Halbzeit einzuheizen. Auch eine zweite Demo will Druck auf die Politik machen.

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          Närrisch-ausgelassener Einsatz für ein ernstes Anliegen: In Bonn haben mehr als tausend Teilnehmer in einem bunten Protestmarsch für eine Wende in der Klimapolitik demonstriert. Zur Halbzeit der Weltklimakonferenz zog die karnevalistisch geprägte Demonstration unter dem Motto „Wir treiben die bösen Geister des Klimawandels aus“ von der Innenstadt bis zum Tagungsort im früheren Regierungsviertel. Parallel zum offiziellen Beginn der Karnevalssession setzte sich der Protestmarsch kurz nach 11 Uhr 11 mit Samba, Technotönen und Schunkelmusik in Gang. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert, ging von 1700 Teilnehmern aus.

          Fast zeitgleich demonstrierte der Zusammenschluss „Weltklima-Aktionstag 11.11. Bonn“ in der Innenstadt. Zu der Veranstaltung kamen bei regnerischem Wetter nach Angaben der Initiatoren statt der erwarteten 3.000 nur etwa 2.000 Teilnehmer.

          „Trump: Climate Genocide“

          Zu den beiden Demonstrationen hatten das Bündnis „No Climate Change“ unter Führung der globalisierungskritischen Organisation Attac sowie der Zusammenschluss „Weltklima-Aktionstag 11.11. Bonn“ aufgerufen. Die Zahl der Teilnehmer blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Nach Angaben der Veranstalter kamen statt der insgesamt erwarteten 8.000 nur 4.000 Menschen. Eine Rednerin von Attac kritisierte, die Konferenz komme nicht recht voran. „Was die da machen - das braucht unbedingt den Druck der Straße.

          Kritik hagelte es an US-Präsident Donald Trump nach dessen Austrittsentscheidung aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Ein „Fake“-Trump fuhr in einem Cabrio in dem Demozug mit, chauffiert von einem Eisbär - und mit einer vor der Umweltverschmutzung zu Fall gebrachten Freiheitsstatue im Schlepptau. Auf einem rund hundert Meter langen Banner - getragen von Dutzenden Demo-Teilnehmern - hieß es: „USA: Trump: Climate Genocide“ (Klima-Völkermord oder auch Klima-Zerstörung).

          Die Teilnehmerzahl blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Bilderstrecke

          Viele Leute hatten sich verkleidet, so auch als US-Präsident, der in den Fluten versinkt. „Trump zieht die Welt in den Abgrund“, sagte Frank Schröder aus Niedersachsen zu seiner Kostümierung. „Bei aller karnevalistischen Stimmung hier - unsere Botschaft ist ernst: Die Konferenz muss begreifen, dass es fünf nach zwölf ist.“

          Am vergangenen Samstag hatten bereits rund 10.000 Menschen für den Klimaschutz demonstriert. Bei der Konferenz in Bonn mit fast 25.000 Teilnehmern sollen bis Freitag einheitliche Regeln erarbeitet werden, wie die einzelnen Ländern künftig ihren Ausstoß von klimaschädlichem CO2 messen und angeben.

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