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Klimaforscher Mojib Latif : „Jetzt sterben viele Menschen“

Der Vorsitzende des Deutschen Klimakorsortiums, Mojib Latif, spricht auf dem 10. ExtremWetterKongress im September 2020. Bild: dpa

Starkregen und Überschwemmungen sind keine neuen Phänomene. Also alles nur ganz normal? Nicht ganz, erklärt der Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif.

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          Herr Latif, lässt sich die Frage, ob der extreme Stark- und Dauerregen, den wir derzeit in mehreren Teilen Deutschlands erleben, klima- oder wetterbedingt ist, eindeutig beantworten?

          Othmara Glas
          Volontärin

          Nein, aber der Klimawandel ist sicherlich ein Faktor von mehreren. Es muss ja erstmal eine bestimmte Wettersituation vorhanden sein, und die war mit dem Tiefdruckgebiet gegeben. Es gibt drei Faktoren, die mit der Erderwärmung zusammenhängen und hier eine Rolle gespielt haben. Zum einen kann durch die höheren Temperaturen mehr Wasserdampf in der Luft gespeichert werden. Dementsprechend kann auch mehr Niederschlag fallen. Der zweite Punkt, der bei dieser Lage besonders wichtig war, ist die starke Erwärmung des Mittelmeers. Das heißt dieses Tief konnte die feuchtwarmen Luftmassen vom Mittelmeer anzapfen. Das ist eine Folge der globalen Erderwärmung. Wir haben auch in Studien gezeigt, dass sich die Wetterphänomene gar nicht ändern müssen. Allein das wärmere Mittelmeer sorgt bei dieser Wetterlage für stärkere Niederschläge. Der dritte Faktor ist umstritten, aber wissenschaftlich durchaus plausibel. Wir haben gerade in der Arktis eine ganz besonders starke Erwärmung. Der Temperaturgegensatz zwischen der Arktis und den Breiten weiter südlich ist geringer geworden. Dadurch könnte der Jetstream ins Stottern geraten und unsere Wetterphänomene würden nicht mehr so schnell durchziehen und länger an einem Ort verharren. Dadurch kamen die ganzen Wassermassen in einer Region runter.

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