https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/klimaforscher-erderwaermung-befindet-sich-auf-einem-desastroesen-weg-18437318.html

Klimaforscher im Interview : „Wahrscheinlich wird ein bedeutender Teil der Erde quasi unbewohnbar“

  • -Aktualisiert am

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Sonnenblumen und Windräder in Brandenburg Bild: Getty

Der Klimaforscher Johan Rockström glaubt, die Erderwärmung befinde sich auf einem desaströsen Weg. Trotzdem warnt er vor Resignation. Wenn Deutschland und die EU es nicht schafften, werde das alle anderen entmutigen.

          7 Min.

          Herr Rockström, das UN-Umweltprogramm hat festgestellt, dass die Atmosphäre sich bis 2100 wahrscheinlich um 2,4 bis 2,5 Grad erwärmen wird, wenn alle Staaten nur so viel fürs Klima tun, wie sie bis heute versprochen haben. Vor meinem Haus steht eine Schule. Die Schüler dort werden dann neunzig sein. Wie wird ihre Welt aussehen?

          Die ehrliche Antwort ist: Wir wissen das nicht. Und warum nicht? Weil wir solche Temperaturen seit drei Millionen Jahren nie hatten. Im gesamten Erdzeitalter des Quartärs lagen die wärmsten Perioden nur zwei Grad über den Referenzwerten von heute. Und wenn man die viereinhalb Milliarden Jahre der Erde betrachtet, taugt nur das Quartär als Vergleichsmaßstab. Jenseits dieser Periode gab es entweder eine deutlich andere Zusammensetzung der Atmosphäre, oder man hatte andere Kontinente oder andere Eisschilde. Und Temperaturen von plus 2,4 Grad haben wir seit mehr als drei Millionen Jahren nicht mehr gehabt. Deshalb wissen wir nicht so genau, wie es den Schulkindern im Jahr 2100 gehen wird. Aber eines ist sicher: Wir werden jenseits von zwei Grad auf komplettem Neuland sein. Seit der Entstehung des planetaren Zustandes, der den modernen Menschen hervorgebracht hat, gab es das noch nicht. Ich würde eine Erwärmung um 2,4 Grad als Desaster sehen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Eine Gruppe freigelassener Kriegsgefangener im November 2022 an einem unbekannten Ort auf einem Handout-Foto des russischen Verteidigungsministeriums

          Kriegsgefangene auf Youtube : Fragen an den Feind

          Der Blogger Wolodymyr Solkin verhört auf seinem Youtube-Kanal russische Kriegsgefangene. Die Videos erreichen ein Millionenpublikum und sollen in Russland einen Wandel bewirken.