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Kiste im Garten vergraben : Früherer Elitesoldat gesteht Munitionsdiebstahl

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte Philipp S. am Freitag im Gericht in Leipzig Bild: AFP

Vor dem Landgericht Leipzig muss sich ein früherer Soldat der Eliteeinheit KSK verantworten. Zum Beginn des Prozesses gibt er zu, dass er Tausende Schuss Munition mit nach Hause genommen hat. Die Begründung dafür ist kurios.

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          Es war eine aufsehenerregende Durchsuchungsaktion, die sich im Mai vergangenen Jahres in der nordsächsischen Gemeinde Collm ereignet hat. In dem Ort hatte die Polizei mit mehreren Einsatzfahrzeugen ein Grundstück samt Einfamilienhaus umstellt und bei ihrer intensiven Suche zwei Kilogramm Sprengstoff, mehrere Tausend Schuss Munition für Gewehre und Pistolen, ein Sturmgewehr der Marke Kalaschnikow, eine Armbrust sowie eine Nebelhandgranate und weitere Schusswaffen und Waffenteile gefunden, darunter einen Schalldämpfer.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Grundstück und Haus gehören dem 45 Jahre alten Philipp S., der als Oberstabsfeldwebel der Bundeswehr im Kommando Spezialkräfte (KSK) diente. Von 2017 an hatte der Militärische Abschirmdienst (MAD) gegen S. Beweise gesammelt, auch weil er bei der berüchtigten „Schweinekopf-Party“ der zweiten Kompanie des KSK dabei gewesen sein soll, mit der die sogenannte Rechtsextremismus-Affäre der Spezialeinheit begonnen hatte. Auf einer Abschiedsfeier für einen Kommandeur hatten Soldaten mit Schweineköpfen geworfen, angeblich Rechtsrock gehört und den Hitlergruß gezeigt. Die Kompanie war daraufhin aufgelöst worden.

          Anfang 2020 informierte der MAD das Landeskriminalamt Sachsen und die Generalstaatsanwaltschaft Dresden über den Verdacht gegen Philipp S., sagte eine Sprecherin der Behörde dem MDR. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Sprengstoffgesetz ein und klagte Philipp S. an. Am Freitag begann am Landgericht Leipzig der Prozess, bei dem S. ein umfassendes Geständnis ablegte.

          Verwunderung löste allerdings seine Erklärung für die Taten aus. So habe er wegen immer wieder vorkommender Munitions-Engpässe über Jahre hinweg Restbestände an Munition gesammelt, um diese bei der Ausbildung nutzen zu können. Allerdings sei er davon ausgegangen, dass es sich dabei nicht um einsatzfähiges Material gehandelt habe. Die Kalaschnikow wiederum habe von einem Einsatz aus Afghanistan als illegales Souvenir mit nach Hause genommen.

          Als die Ermittlungen wegen der „Schweinekopf-Party“ in Gang kamen, habe er Waffen und Munition mit nach Hause genommen und im Garten seines Grundstücks vergraben, um seine Kameraden zu schützen, erklärte der Angeklagte. Die Ermittler fanden dann auch in 40 Zentimetern Tiefe eine gefüllte Munitionskiste sowie zwei Eimer und einen Kunststoffbeutel mit Munition und Waffen. Ermittlern zufolge handelt es sich bei der aufgefundenen Munition um fast 70.000 Schuss verschiedenster Kaliber, die durcheinander in den Kisten und Eimern gelegen hätten. Die entsprechenden Waffen dafür habe S. jedoch nicht besessen, die Kalaschnikow sei nicht einsatzbereit gewesen.

          Darüber hinaus erklärte ein Ermittler der Sonderkommission Rechtsextremismus (Soko Rex) des Landes Sachsen, dass es bisher keine Hinweise auf ein Netzwerk um den Angeklagten gebe. S. selbst ist inzwischen aus der Eliteeinheit KSK entlassen. Er saß bis Anfang Dezember vergangenen Jahres in Untersuchungshaft; er muss sich seitdem wöchentlich bei der Polizei melden und darf Deutschland nicht verlassen. Ein Urteil in dem Fall wird für Ende März erwartet.

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