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Kirchentag und Terrorgefahr : Ein feste Burg

Sicherheitsvorkehrungen vor der Hauptbühne des Kirchentags in Berlin. Bild: Reuters

Nach dem Anschlag in Manchester herrscht auch Sorge in Deutschland. Ob die Terroristen wirklich Erfolg haben, hängt von uns ab. Der heute Abend beginnende Kirchentag in Berlin ist sicher, weil sich dort Gläubige treffen.

          Wir leben mit dem Terror. Aber wir dürfen uns mit dem Terror nicht abfinden. Wer für Sicherheit verantwortlich ist, bemüht sich darum zu betonen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gebe. So richtig (und banal) diese Aussage ist, die Botschaft darf niemals sein: Wir finden uns mit Terror ab. Der Rechtsstaat findet sich ja – hoffentlich – auch mit der sogenannten Alltagskriminalität nicht ab, obwohl viele Fälle nicht aufgeklärt werden. Aber der Anspruch muss stets lauten: Jede Untat wird verfolgt. Kein Opfer ist vergessen. Das gilt erst recht für das wahllose Niedermetzeln von Kindern und Jugendlichen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Ob die Terroristen wirklich Erfolg haben, hängt von uns ab. Der Anschlag von Manchester ist schrecklich. Doch die Frage ist, ob sich Angst und Schrecken in den Köpfen festsetzen, und das Handeln der freien Staaten und Gesellschaften prägen, denen die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ den Kampf angesagt hat. Entscheidend ist, dass mit kühlem Kopf die Tat aufgeklärt wird, und weiter über Schutz und Prävention wie auch über den Kampf gegen die Feinde der Freiheit nachgedacht wird. Aus Fehlern muss gelernt werden. Klar ist aber auch, dass Konsequenzen, die in Einschränkungen bestehen können, immer gegen das Ausmaß der Bedrohung abgewogen werden. Die Absage einer Veranstaltung etwa kann nur im Fall einer konkreten Bedrohung in Betracht kommen.

          Die Frage stellt sich, weil der Kirchentag bevorsteht. Aber der Kirchentag ist sicher. Nicht weil die Großveranstaltung, die an diesem Mittwochabend beginnt und wieder Hunderttausende anziehen wird, besonders gesichert wäre. Das auch, wenngleich das angesichts des offenen Charakters des Treffens eine Mammutaufgabe ist. Der Kirchentag ist sicher, weil sich dort Gläubige treffen. Was soll ihnen passieren?

          Die Veranstaltung mit seinen zahlreichen Gottesdiensten, Foren und Diskussionen auch mit islamischen Theologen, ist ein gutes Signal in dieser Zeit. Die Losung „Du siehst mich“ und das Gedenken an den leider auch im Jubiläumsjahr der Reformation meist geschmähten Luther setzen jeder menschenverachtenden Ideologie mehr entgegen, als das Sicherheitskontrollen je könnten. Wenn der IS meint, sich eines „Soldaten“ zu rühmen, der Kinder in die Luft sprengt, dann steht dem mehr entgegen als eine Wohlstandsgesellschaft. Ein feste Burg ist unser Gott.

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