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Kirchentag ohne AfD : Einladungspolitik mit Schlagseite

Eröffnung des Kirchentages in Dortmund Bild: dpa

Hätte der Kirchentag der AfD ein Podium in Dortmund geboten, hätte die Partei keine bundesweite Bühne, sich wieder als Opfer zu inszenieren.

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          Der Streit mit der AfD scheint zum dauerhaften Begleitgeräusch der großen Christentreffen zu werden. Seit dem Erstarken der Partei gibt es keinen Evangelischen Kirchentag oder Katholikentag mehr, der nicht zu kontroversen Diskussionen darüber geführt hätte, ob AfD-Politiker auf den Podien Platz nehmen dürfen oder nicht. Beide Veranstaltungen haben sich mal so und mal so entschieden: Der Katholikentag hatte 2016 keine AfD-Politiker eingeladen, 2018 dafür schon. Beim Evangelischen Kirchentag ist es genau umgekehrt. 2017 war noch eine AfD-Politikerin eingeladen worden, welche ihre Partei wegen deren Radikalisierung inzwischen aber verlassen hat.

          Auch der Evangelische Kirchentag hat auf diese Entwicklungen innerhalb der AfD seit 2017 reagiert. Unter Verweis auf mittlerweile „fließende Übergang zum Rechtsextremismus und Verbindungen zu verfassungsfeindlichen Netzwerken“ dürfen bei der diesjährigen Veranstaltung in Dortmund keine AfD-Politiker auftreten. Das ist zunächst einmal das gute Recht der Veranstalter. Eine zivilgesellschaftliche Veranstaltung wie der Kirchentag ist nicht zu parteipolitischer Ausgewogenheit oder Äquidistanz gezwungen. Das gilt erst recht im Falle einer Partei, bei der auf dem Bundesparteitag unter großem Applaus der Mitglieder zum Kirchenaustritt aufgerufen wird und die sorgsam terminiert kurz vor dem Dortmunder Kirchentag ein polemisches Papier gegen die evangelische Kirche  vorgelegt hat.

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