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Kirchentag in Leipzig : Was verbindet Rechtspopulisten und Katholiken?

  • -Aktualisiert am

Der Katholikentag in Leipzig ist bunt. Bild: dpa

Der Katholikentag diskutiert nicht mit, aber über die AfD. Die Kirche sieht sich auch selbst in der Verantwortung, rechtspopulistischen Parolen zu begegnen.

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          Wo ist Frauke Petry? Auf dem Podium natürlich nicht, denn der Veranstalter des Katholikentags, das Zentralkomitee der deutscher Katholiken (Zdk) haben sich auch am vierten Tag des kirchlichen Laientreffens an ihren Beschluss gehalten, über die AfD zu diskutieren, aber nicht mir. Aber Frauke Petry ist trotzdem da, Hundert Meter vom Podium in der Oper Leipzig entfernt sitzt sie im Übertragungswagen des Deutschlandfunks und nimmt das „Interview der Woche“ auf, das am Sonntag gesendet wird. Der Skurrilität dieser Situation ist sich Thomas Sternberg, Präsident des ZdK, durchaus bewusst. Aber er bleibt bei seiner Entscheidung: „Es war richtig, der AfD kein Podium zu geben. Ich werde Frau Petry nicht von meinen Ansichten überzeugen können und sie mich nicht von ihren.“

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Aber geht es darum? Sollte ein Katholikentag, der sich im kirchenfernen Leipzig als besonders offen und bürgernah verstehen will, nicht die Mühe machen, die AfD argumentativ zu stellen? Diese Meinung hörte man immer wieder auf diversen Veranstaltungen. Das ZdK hatte beim Zusammenstellen des Programms von Anfang an einen „Weißen Fleck“ gelassen, eine Veranstaltung, über deren Inhalt erst kurzfristig entschieden werden sollte. Man wählte das Thema Rechtspopulismus, und dazu konnte nicht nur Sternberg einiges sagen, sondern auch Diskutanten, die aus Belgien, Frankreich und Österreich kamen.

          Die Diskussion folgte der Reihenfolge: Feststellung, Analyse, Reaktion. Also: Wie sieht der Rechtspopulismus in Europa aus und gibt es Unterschiede? Der Pastoraltheologe Paul Zulehner aus Österreich, wo die rechtspopulistische FPÖ nur knapp das Präsidentenamt verfehlte, sagte, dass die Wähler immer mehr ihren Emotionen folgten und weniger rationalen Überlegungen.

          Kein Verzicht auf Floskeln

          Warum entscheiden sich Wähler heute anders als früher? Zulehner sagt, vor allem junge Leute fühlten sich von rechtspopulistischen Parolen angesprochen, weil sie die „Last der Freiheit“ endlich abgenommen bekommen wollten. Der Politikwissenschaftler Andreas Püttman sprach von einer „Radikalisierung der Mitte“. Rechtspopulisten schafften es, diejenigen zu mobilisieren und zu integrieren, die sich bisher nicht oder nur kaum am politischen Diskurs beteiligt haben. Von Vergleichen der AfD mit der NSDAP oder generell der Zeit des Nationalsozialismus hielt er, wie die anderen Podiumsteilnehmer auch, nichts. Aber ihn erinnerten die aktuellen Geschehnisse an die Bewegung der „konservativen Revolution“ in der Weimarer Republik.

          Sternberg, der auch CDU-Politiker ist und Mitglied des Nordrhein-Westfälischen Landtags, äußerte selbstkritisch, Politik rede zu oft an den Bürger vorbei und in Floskeln – was natürlich auch eine Politiker-Floskel ist. Er meinte außerdem, dass Große Koalitionen der Demokratie schadeten. Opposition sei wichtig.

          Aber was kann die Politik tun, damit das Vertrauen in sie wieder wächst? Zulehner setzte bei der Kindheit an. In den ersten zwei bis drei Lebensjahren würden die Grundlagen dafür gelegt, dass Menschen Vertrauen können und bindungsfähig werden. Später müsse dazu eine Politik treten, die die Ängste der Bürger aufnimmt, sie dann aber nicht verstärkt, sondern sie legt. Dabei könne und müsse auch die Kirche helfen.

          Der Politikwissenschaftler Püttmann verwies darauf, dass die katholische Kirche und Rechtspopulisten einige potentielle Überschneidungen haben, er hat das wissenschaftlich untersucht. Bei den Geschlechtsbildern und der Forderung nach kultureller Homogenität gebe es Schnittstellen. Immerhin gibt es auch in der AfD einen Kreis mit dem Namen „Christen in der AfD“. Aber laut Püttmann gibt es einen entscheidenden Unterschied, der Christen und Rechte voneinander trennt: Die Rechtspopulisten und Rechten schaute nur auf das Eigene – die eigene Kultur, die eigene Familie, den eigenen Staat. Die Christen schauten immer auch auf das Andere.

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