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Deutsche Bischofskonferenz : Kirchenaustritte auf Rekordniveau

Immer mehr Menschen verlassen die katholische Kirche. Bild: dpa

218.000 Menschen haben im Jahr 2014 die Kirche verlassen, 22 Prozent mehr als im Vorjahr und damit so viele wie nie zuvor. Der Grund ist laut des Freiburger Erzbischofs sehr profan.

          Im Jahr 2015 sind mehr Katholiken denn je aus der Kirche ausgetreten. Wie die Deutsche Bischofskonferenz am Freitag bekanntgab, stieg die Zahl der Austritte binnen Jahresfrist um fast 22 Prozent auf nunmehr 218.000. Im Jahr 2012 waren gar nur 118.000 Austritte registriert worden. Die Zahl der Taufen blieb gegenüber dem Vorjahr mit etwa 165.000 fast gleich. Weiter gesunken ist die Zahl der Mitglieder, die die Kirche durch Eintritt oder Wiederaufnahme gewinnen konnte. Zusammengenommen lag diese Zahl erstmals deutlich unter der Marke von 10.000.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Über die Ursachen dieser Entwicklungen verlautete seitens der Bischofskonferenz nichts. Deren Vorsitzender, der Münchner Erzbischof Marx, ließ sich mit den Worten zitieren, die Statistik zeige, „dass Kirche vielgestaltig ist und eine missionarische Kraft hat, auch wenn uns die hohe Zahl von Kirchenaustritten schmerzlich bewusst macht, dass wir Menschen mit unserer Botschaft nicht erreichen“. Der Freiburger Erzbischof Burger sprach von „Irritationen durch das neue Einzugsverfahren der Kirchensteuer auf Kapitalerträge, das von vielen Menschen irrtümlich als ,Steuererhöhung‘ gedeutet wurde“. Ursprünglich wurde die Kirchensteuer nur auf Antrag des Steuerpflichtigen mit der Abgeltungssteuer abgeführt. Seit dem 1. Januar 2015 geschieht das automatisch. Entsprechende Mitteilungen der Banken ließen schon Ende 2014 die Zahl der Austritte in der katholischen wie in der evangelischen Kirche stark steigen.

          Geringfügig gestiegen auf gut 44.000 ist im vergangenen Jahr die Zahl der kirchlichen Trauungen. Im langfristigen Trend nimmt diese Zahl jedoch ebenso ab wie der Anteil der regelmäßigen Teilnehmer am Sonntagsgottesdienst. Zwar stieg diese Quote im Jahr 2014 um 0,1 Punkte auf 10,8 Prozent. 1990, im Jahr der Wiedervereinigung, betrug der Anteil der regelmäßigen Gottesdienstteilnehmer 21,9 Prozent.

          Auch in Bezug auf Priester und Ordensleute werden die Implosionserscheinungen der Kirche erst im Langzeitvergleich deutlich. So ist die Zahl der Priester im aktiven Dienst innerhalb von nur 15 Jahren von fast 13.000 auf gut 9000 zurückgegangen. Gleichzeitig bereiten sich in den Seminaren weniger junge Männer denn je auf den Priesterberuf vor. Die Zahl der weiblichen Ordensangehörigen hat sich seit 1999 annähernd halbiert und beträgt jetzt noch etwa 17.500. Bei den Ordensmännern ist ein Rückgang um annähernd 30 Prozent zu verzeichnen.

          Gegen den Trend gewachsen sind abermals die Erzdiözesen Hamburg und Berlin: In beiden Bistümern wurden die Mitgliederverluste durch Tod oder Austritt durch Taufen sowie durch den Zuzug von Katholiken kompensiert, nicht zuletzt aus Polen.

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