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Kirchen zu Sterbehilfe-Urteil : „Ein Einschnitt in unsere Kultur“

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Das Betäubungsmittel Natrium-Pentobarbital und ein Glas Wasser stehen in einem Zimmer des Sterbehilfevereins Dignitas in Zürich. (Archivbild) Bild: dpa

In einer Erklärung drücken die beiden großen Kirchen ihre Besorgnis über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur assistierten Sterbehilfe aus. Die SPD fordert von Gesundheitsminister Spahn schnell klare Regeln für Ärzte und Patienten.

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          Die katholische und die evangelische Kirche haben besorgt auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe reagiert. Sie nannten das Urteil einen „Einschnitt“ in „unsere auf Bejahung und Förderung des Lebens ausgerichtete Kultur“. In einer gemeinsamen Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) heißt es, die Legalisierung organisierter Angebote zur Selbsttötung könne alte oder kranke Menschen „auf subtile Weise unter Druck“ setzen, von diesen Angeboten auch Gebrauch zu machen.

          Das von den Karlsruher Richtern verworfene restriktive Gesetz zur assistierten Sterbehilfe sei aus Sicht der Kirchen hingegen eine „maßvolle Regelung“ gewesen, äußerten der DBK-Vorsitzende Reinhard Kardinal Marx sowie der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Die beiden Kirchen kündigten an, sich auch weiterhin dafür einzusetzen, „dass organisierte Angebote der Selbsttötung in unserem Land nicht zur akzeptierten Normalität werden“.

          Auch die großen Wohlfahrtsverbände der Kirchen zeigten sich besorgt. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie sagte, das Karlsruher Urteil könne eine Dynamik mit nicht abschätzbaren Folgen in Gang setzen. Die Beihilfe zum Suizid dürfe angesichts des finanziellen Drucks im Gesundheitssektor nicht die billige Alternative zu „einer aufwändigen Sterbebegleitung“ werden. Organisierte Sterbehilfe habe das Potential, ein „furchtbares Instrument der Marktgesellschaft“ zu werden, warnte Lilie.

          SPD: Spahn muss bei Sterbehilfe umdenken

          Die SPD-Bundestagsfraktion forderte nach dem Urteil zur assistierten Sterbehilfe Bewegung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Jens Spahn muss jetzt seinen Widerstand gegen die Abgabe der dazu notwendigen Medikamente aufgeben“, sagte die Vizefraktionsvorsitzende Bärbel Bas am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Neuregelung der Sterbehilfe habe zu einer Verunsicherung bei Ärzten geführt. Sie benötigten nun Rechtssicherheit, sagte Bas.

          „Ich wünsche mir klare Regeln, wann insbesondere ärztliche Begleitung erlaubt und wann gewerbliche Angebote ausgeschlossen sind.“ Das Urteil gebe dazu den Auftrag. „Schwerstkranke Patienten, die selbstbestimmt ihr Leben beenden wollen, dürfen nicht alleine gelassen werden.“

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