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Kirche und Missbrauch : Eine Institution zerstört sich selbst

Im September gab es noch etwas zu lachen: Georg Bätzing und Rainer Maria Woelki während der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Bild: dpa

Viele Repräsentanten der katholischen Kirche haben wenig bis nichts dazu beigetragen, dass ihre Kirche verlorengegangenes Vertrauen wiedergewonnen hätte. Dabei wird sie gebraucht.

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          Es kann nicht oft genug gesagt werden: Keine Institution in Deutschland stellt sich dem Thema der sexualisierten Gewalt unter ihrem Dach seit Jahren so umfassend wie die katholische Kirche. Doch das allein sagt noch nichts über das Gelingen dieses Unterfangens aus. So kann auch nicht oft genug gesagt werden, dass etwa die Präventionsbemühungen im Raum der Kirche wohl ihresgleichen suchen. Andererseits haben viele Repräsentanten der Kirche auch in dem Jahr, das jetzt zu Ende gegangen ist, wenig bis nichts dazu beigetragen, dass die Kirche verlorengegangenes Vertrauen hätte wiedergewinnen können.

          Wie nahe in der Bischofskonferenz Licht und Schatten beieinanderliegen, ließ sich in den vergangenen Monaten an den (Erz-)Bischöfen Bätzing (Limburg) und Dieser (Aachen) einerseits und Woelki (Köln) und Heße (Hamburg) andererseits beobachten: Transparenz und Aufklärung da, Instrumentalisierung Betroffener und juristische Spiegelfechtereien dort. Dass es dereinst besser wird und die Bischöfe aus eigener Kraft mehr als zehn Jahre nach „Canisius“ in Sachen Aufklärung und Aufarbeitung eine einheitliche Linie finden, ist eher nicht zu erwarten.

          Das alles könnte man achselzuckend hinnehmen, richtete sich nicht eine Institution selbst zugrunde, die gerade auf dem Feld der Caritas viel zum Gemeinwohl beiträgt. Ob unsere Gesellschaft eine bessere wäre, sobald die Kirchen unwiderruflich marginalisiert sind, das ist doch zu bezweifeln.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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