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Kirche und Missbrauch : Die Zahlen gehören auf den Tisch

Kein geschützter Raum Bild: dpa

Nicht nur die Kirchen haben Angst vor einer Dunkelfeldstudie. Politiker und Sportfunktionäre haben noch mehr zu fürchten.

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          Die Empörung war groß, als im Herbst 2018 Berechnungen die Runde machten, jeweils 100.000 Bürger hätten im Raum der Kirchen sexuelle Gewalt erfahren. Die evangelische Kirche wollte und will mit dem Thema Missbrauch am liebsten nichts zu tun haben, und in der katholischen Kirche waren im Zeitraum von 1946 bis 2014 gerade einmal 3700 Missbrauchsopfer aktenkundig geworden.

          Nun ist es eine Binse, dass das Dunkelfeld bei einem derart schambesetzten Delikt um ein Vielfaches größer ist als das Hellfeld. Doch um wie viel?

          Um die Schwächsten zu schützen

          Die Forscher, die am Montag eine Studie über das Bistum Münster vorgelegt haben, rechnen mit dem Acht- bis Zehnfachen der kirchenoffiziellen Zahlen. Doch auch diese Schätzung wäre noch weit entfernt von jenen 100 000 und erst recht von den 330 000 Opfern, die für die katholische Kirche in Frankreich berechnet wurden.

          Licht in dieses Dunkel bringen kann nur eine methodisch umfassend abgesicherte Dunkelfeldstudie. Doch eine solche war bis jetzt nirgends erwünscht. Nicht nur die Kirchen scheuen vor einem Blick in den Spiegel zurück, sondern auch Sportfunktionäre, Kultusminister und Familienpolitiker.

          Denn bis zum Beweis des Gegenteils findet sexuelle Gewalt nur zum geringsten Teil im Raum der Kirchen statt. Um der Schwächsten willen ist es höchste Zeit, diesen Umstand nicht länger zu verdrängen.

          Die wirklichen Zahlen gehören auf den Tisch.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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