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Kirche in der DDR : Was die Katholiken im Osten prägte

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige Bild: dpa

Für den Magdeburger Bischof Gerhard Feige haben die Katholiken in der DDR bewiesen, dass die Kirche auch unter „komplizierten und armseligen Verhältnissen“ leben kann.

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          Während der vier Jahrzehnte der deutschen Teilung gab es – je länger, desto weniger – Organisationen, die institutionell wie praktisch eine gesamtdeutsche Klammer bildeten: eine von ihnen, vielleicht die stärkste, war die katholische Kirche. Die acht evangelischen Kirchen auf dem Boden der DDR hatten sich 1969 von der EKD getrennt und gingen seither als „Bund der evangelischen Kirchen in der DDR“ (BEK) eigene Wege. Die katholischen Bischöfe beiderseits der innerdeutschen Grenze mussten sich hingegen den Versuchen des Vatikans erwehren, die in Ostdeutschland liegenden Territorien der Bistümer Osnabrück, Paderborn, Fulda und Würzburg vom Westen zu trennen und zu selbständigen Bistümern aufzuwerten. Gelöst wurde dieser Konflikt zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und dem Vatikan erst nach dem Tod von Papst Paul VI. im Jahr 1978. Sein Nachfolger Johannes Paul II. sah keinen Grund, den DDR-Kommunisten entgegenzukommen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Dieser Konflikt ist dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung weitgehend vergessen – wie so vieles, was das Leben der Katholiken in der DDR über vierzig Jahre hinweg geprägt hat. Das gilt nicht nur für die Geschichten der in die Millionen gehenden Zahl katholischer Flüchtlinge und Vertriebener aus dem Sudetenland, aus Schlesien oder dem Ermland, die sich nach 1945 mit einem Mal im Kernland der Reformation wiederfanden und von denen die meisten schnell in den Westen weiterzogen. Mit der „Ergebnisgeneration“ verschwinden allmählich auch die Erinnerungen an das Leben in den siebziger und achtziger Jahren in den Pfarrgemeinden, die mit ihren Familienkreisen, dem Religionsunterricht und Jugendfreizeiten ein Schutz- und Freiraum gegenüber dem totalitären Zugriff des SED-Staates auf Familie und Gesellschaft waren.

          Dennoch wirken manche Prägungen aus der DDR-Zeit noch heute nach – wenngleich sie sich eher innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland bemerkbar machen. Bis 1989 befanden sich die Katholiken in der DDR in einer doppelten Minderheitsposition: gegenüber dem religionsfeindlichen Staat wie gegenüber der evangelischen Kirche. Heute sind sie es in einer dreifachen Hinsicht: gegenüber den evangelischen Christen, deren Zahl zwar stark geschrumpft ist, aber die ein Vielfaches an Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen unterhalten; zweitens gemeinsam mit den Protestanten inmitten einer nichtchristlichen Bevölkerungsmehrheit in den nicht mehr ganz neuen Ländern; und drittens in der katholischen Kirche in Deutschland selbst: von den noch etwa 22,6 Millionen Katholiken hierzulande leben gerade einmal 830.000 zwischen Ostsee und Erzgebirge, davon allein 320.000 in der Stadt Berlin.

          Bei der Predigt musste man zwischen den Zeilen lesen

          Wie zu DDR-Zeiten, so geht das Leben als Minderheit nicht mit einem überbordenden Mitteilungsbedürfnis einher. Die „typisch ostdeutsche Bescheidenheit“ wirke noch immer fort, beobachtet der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der lange Professor für Alte Kirchengeschichte an der einzigen Priesterausbildungsstätte auf dem Boden der DDR war, dem Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt. Außerdem seien die Regeln der Kommunikation mittlerweile andere: „In der DDR lernten wir, zwischen den Zeilen zu lesen und zu sprechen. Da konnte man entsprechend predigen und wusste, die Leute verstehen es. In dieser neuen Gesellschaft muss man brutaler argumentieren, um gehört zu werden“, so die Erfahrung des mittlerweile 68 Jahre alten gebürtigen Hallensers.

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