https://www.faz.net/-gpf-9tyaw

Kindesmissbrauch : Reul fordert mehr Zugriffsrechte für Ermittler

  • -Aktualisiert am

„Echtes Massendelikt“: Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, schlägt die Hände vors Gesicht vor einer Sitzung zum Missbrauchsfall in Lügde Bild: dpa

Kindesmissbrauch sei ein „echtes Massendelikt“, warnt Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul – und fordert als Konsequenz aus den Fällen in Lügde und Bergisch Gladbach mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden.

          1 Min.

          Als Konsequenz aus den Fällen massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde und Bergisch Gladbach fordert der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden. Diese brauchten bessere Zugriffsmöglichkeiten auf Verbindungsdaten, sagte Reul dieser Zeitung. „Wir müssen dringend raus aus den ideologischen Gräben, die dafür sorgen, dass wir eine Menge von dem, was im Netz an schrecklichen Dingen passiert, gar nicht mitbekommen.“

          Reiner Burger
          (reb.), Politik

          Datenschutz sei bei Kindesmissbrauch, aber auch bei Rechtsextremismus viel zu oft auch Täterschutz. „Deshalb werbe ich sehr dafür, dass wir wenigstens in diesen beiden Bereichen pragmatische Lösungen finden“, sagte Reul. Auch müsse sich die Gesellschaft endlich eingestehen, dass „sie das furchtbare Phänomen Kindesmissbrauch in der Vergangenheit massiv unterschätzt hat“. Viele hätten nicht genau genug hingesehen, manche sogar bewusst weggeschaut. Die aktuellen Fälle wie jener in Bergisch Gladbach, aber auch die an vielen anderen Orten in Deutschland belegten, dass Kindesmissbrauch ein „echtes Massendelikt“ sei, sagte Reul. „Es gibt viel mehr Täter, als wir denken und wahrhaben wollen – in der eigenen Firma, im eigenen Sportverein, in der eigenen Kirchengemeinde, sogar in der eigenen Familie.“ Für die Polizei in NRW sei der Fall Lügde wie ein Weckruf gewesen. „Vieles haben wir seitdem umstrukturiert und optimiert. Aber es bleibt noch viel zu tun.“

          Anfang des Jahres war bekanntgeworden, dass auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde über Jahre hinweg Dutzende Kinder missbraucht worden waren. Die beiden Haupttäter wurden Anfang September zu langer Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Anders als in Lügde handelt es sich in Bergisch Gladbach nicht um einen lokal begrenzten Fall, sondern um ein bundesweit über das Internet kommunizierendes Netzwerk von Pädokriminellen, das die Ermittler seit der Festnahme eines Mannes im Oktober Schritt für Schritt aufdecken. Die Täter des Netzes sollen ihre eigenen Kinder oder nahe Verwandte missbrauchen, in Internetforen kinderpornografisches Material austauschen und dort weitere schwerste Übergriffe besprechen. Derzeit gibt es in neun Bundesländern 31 Tatverdächtige, zehn von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. 21 Opfer im Alter zwischen einem und 14 Jahren konnten bisher identifiziert und befreit werden. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, lässt sich noch nicht absehen.

          Weitere Themen

          Die Angst vor der Vertreibung

          Unruhen in Ostjerusalem : Die Angst vor der Vertreibung

          In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die mögliche Enteignung von Palästinensern hat jetzt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren beigetragen. Selbst Washington ermahnt die Netanjahu-Regierung.

          Topmeldungen

          Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, verfolgt die Rede Boris Palmers beim digitalen Landesparteitag der Grünen.

          Ausschlussverfahren der Grünen : Belastet der Fall Palmer Baerbocks Wahlkampf?

          Die Grünen wollen den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ausschließen. Der sieht dem Verfahren optimistisch entgegen. „Es ist gut und reinigend, wenn jetzt die ganze Palette an Vorwürfen einmal aufgearbeitet wird“, sagt er der F.A.Z.
          So winkt die Siegerin: Schottlands Regierungschefin Sturgeon am Sonntag vor dem Bute House in Edinburgh

          Schottland : London spielt Sturgeons Wahlsieg herunter

          Nach dem abermaligen Wahlsieg der Schottischen Nationalpartei drängt die Regierungschefin Nicola Sturgeon auf ein zweites Unabhängigkeitsreferendum. London will bislang nichts davon wissen.
          Israelische Sicherheitskräfte während einer Demonstration gegen den geplanten Räumungsprozess im Stadtteil Scheich Jarrah am 8. Mai

          Unruhen in Ostjerusalem : Die Angst vor der Vertreibung

          In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die mögliche Enteignung von Palästinensern hat jetzt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren beigetragen. Selbst Washington ermahnt die Netanjahu-Regierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.