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Kinderwunsch : Welche Rechte haben Leihmütter?

In Deutschland verboten, in Indien erlaubt: Die Leihmutter Arpita Christian ist im neunten Monat schwanger und trägt das Kind eines amerikanischen Paares aus Bild: dpa

Obwohl im Koalitionsvertrag die Leihmutterschaft abgelehnt wird, diskutieren Mitglieder der Koalition über eine neue Regelung. Das soll der Absicherung der Leihmutter dienen.

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          In der Koalition gibt es Überlegungen, Leihmütter rechtlich besserzustellen. Als Konsequenz aus dem Fall einer thailändischen Leihmutter, deren behinderter Sohn von einem australischen Paar abgelehnt wurde, könnten sie künftig etwa das Recht erhalten, von den „Bestelleltern“, für die sie das Kind austragen, Unterhalt einzufordern. Der CDU-Gesundheitspolitiker Hubert Hüppe sprach sich in diesem Sinne für eine „rechtliche Absicherung der ausländischen Leihmütter“ aus. Die SPD-Abgeordnete Sonja Steffen plädiert sogar dafür, zu prüfen, ob die Leihmutterschaft nicht generell juristisch anerkannt werden sollte. „Fälle wie dieser zeigen uns, dass wir juristische Sicherheit benötigen. Der derzeitige Zustand reicht nicht aus, um die Kinder, die durch Leihmutterschaft geboren wurden, ausreichend zu schützen.“

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Thomas Strobl hingegen wies die Forderungen zurück. Er verwies auf rechtliche Widersprüche, wenn die Leihmütter entschädigt würden. „Ein sittenwidriger Leihmuttervertrag würde so den Anschein der Gültigkeit bekommen“, sagte er dieser Zeitung. Leihmutterschaft als „moderne Form des Menschenhandels“ dürfe weder direkt noch indirekt unterstützt werden. Auch Günter Krings, Vorsitzender des Bundesarbeitskreises Christlich-Demokratischer Juristen, äußerte, oberstes Ziel müsse es sein, Leihmutterschaftstourimus zu unterbinden. In mehreren Fällen haben deutsche Behörden Kindern von Leihmüttern einen deutscher Pass ausgestellt. Im Koalitionsvertrag heißt es, Leihmutterschaft werde abgelehnt.

          Auch die Opposition lehnt Überlegungen zur Legalisierung generell ab. „Das Verbot dient dem Schutz der Frauen“, sagte Katja Keul, die rechtspolitische Sprecherin der Grünen. „Legalisierungspolitik erscheint mir hier wie die Öffnung der Büchse der Pandora“, sagte die frauenpolitische Sprecherin der Linkspartei, Cornelia Möhring. Auch der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, äußerte, es müsse bei dem Verbot bleiben. Nach derzeitiger Rechtslage stehen die Vermittlung und ärztliche Betreuung von Leihmutterschaften unter Strafe, die „Bestelleltern“ machen sich nicht strafbar. Hüppe forderte auch, diese Strafbarkeitslücke bei der Leihmutterschaft zu schließen.

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