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Kinderarmut in Deutschland : Die Ware Zahlen

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Schwierig wird es, wenn es ums Geld geht

Das Soep befragt seit langem mehr als zehntausend Haushalte. Die wurden 1984 ausgewählt. Erst hat man per Zufallsprinzip eine Adresse ermittelt, dann ging ein Mitarbeiter zu dieser Haustür, marschierte von da an in vorgegebener Richtung noch drei Türen weiter und notierte den Namen am Klingelschild. Anschließend kamen die Interviewer und fragten nett, ob man an diesem „Dauerbrenner der empirischen Sozialforschung“ teilnehmen möchte. Von da an klingelte der Interviewer jedes Jahr. Früher mit Papier und Stift, heute mit Laptop. Das kann einen ganzen Abend dauern: Allein der Haushaltsfragebogen hat 74 Fragen. Wann wurde Ihr Haus gebaut? Wie hoch ist die Stromrechnung? Was kostet die Müllabfuhr, die Putzfrau, der Handwerker? Können Sie Verluste aus Wertanlagen steuerlich geltend machen?

Der Personalfragebogen, den jedes Familienmitglied von 16 Jahren an einzeln beantworten muss, hat sogar 152 Fragen. Wie geht es Ihnen beim Treppensteigen? Wie viel Kilogramm wiegen Sie gegenwärtig? Wie oft haben Sie in den letzten zehn Jahren Blut gespendet? Was bereitet Ihnen Sorgen? So findet das Soep heraus, wie gesund und glücklich die Deutschen sind. Alte Menschen zum Beispiel sollen in den letzten Jahren ihres Lebens weniger glücklich sein.

Schwierig wird es, wenn es ums Geld geht. Da beginnt das „underreporting“, wie Statistiker das nennen. Manche Leute überschlagen, was sie im vergangenen Jahr verdient haben, andere kommen mit konkreten Zahlen, vergessen aber das Urlaubsgeld, den Bonus, die Erbschaft, die Schwarzarbeit. Manch einer gibt auf alles eine Antwort, nur die Höhe des Gehalts rückt er nicht raus. Und andere sind zum vereinbarten Termin gar nicht da. „Die generelle Befragungsbereitschaft hat nachgelassen“, heißt es beim Soep. Früher standen etwa sieben von zehn angefragten Personen als Studienobjekt zur Verfügung. Heute sind es maximal vier von zehn.

Auf einen Schlag werden die befragten Haushalte deutlich wohlhabender

Wer macht da mit? Eher abweisend reagieren gestresste Berufstätige, manche geben an, „aus Datenschutzgründen“ nicht mitmachen zu wollen. Generell ist die Antwortbereitschaft bei Rentnern sehr hoch, manchmal zu hoch, wenn sie statt in einer Skala von eins bis zehn lieber in Vorträgen antworten. Familien mit Kindern wollen ebenso angehört werden.

Manchmal antwortet nur ein Familienmitglied, die anderen tun es nicht. Das liege an der größeren beruflichen Mobilität, erklärt das Soep. Was tun, wenn die Frau im Hause den Bogen ausfüllt, nicht aber der Mann, der Wochenendpendler ist? Früher hat man in solchen Fällen angenommen: Wer nichts ausfüllt, verdient wohl nichts.

Irgendwann wurden die Lücken zu groß, die Befragungsbereitschaft zu klein. Die Forscher beobachteten dies ein paar Jahre lang, dann wurde lange an einer Lösung gearbeitet, und nun ersetzt man die fehlenden Daten mit sogenannten statistischen Zwillingen. Der Wochenendpendler bekommt dann das Gehalt zugewiesen, das ein Mann gleichen Alters mit ähnlichem Beruf verdient, der seinen Bogen ausgefüllt hat. Auf einen Schlag werden die befragten Haushalte deutlich wohlhabender, jedenfalls statistisch gesehen.

Für die Linkspartei ist eine niedrige Kinderarmut ein Problem

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