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Kinder gleichgeschlechtlicher Partner : Immer anders als die anderen

Eine ganz normale Familie? Paar mit zwei Kindern in der Küche seiner Berliner Wohnung, aufgenommen im April 2013. Bild: dpa

Zwischen 16.000 und 19.000 Kinder in Deutschland wachsen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen auf. Wie es ihnen geht, wenn sie sich fragen, wer ihr Vater ist, oder wenn sie von Mitschülern gehänselt werden - darüber weiß man wenig.

          Hallo, ich bin Jorge (39). Suche ein Paar oder eine Mutter, die mit mir den Wunsch haben, ein Kind zu haben. :)) Freue mich auf Nachrichten“ (Jota 73). „Wir benötigen Deine Hilfe bei unserem Kinderwunsch! Ob Co-Vater, Patenonkel oder nur Samenspender... alles ist möglich! Wir sind verheiratet, finanziell unabhängig und unkompliziert. Wir freuen uns auf Dich!“ (Sportmadita19). „Liebe zukünftige Mütter, ich suche ein lesbisches Paar oder eine alleinstehende lesbische Frau, die mit einem schwulen Paar eine Regenbogenfamilie mit mehreren Kindern gründen möchten. Sowohl die Mütter/Mutter als auch die Väter sollten aktiv an der Erziehung beteiligt sein“ (mberlin488). „Wir sind 30 und 33 und suchen, jaaaa, was suchen wir???? Einen intelligenten, gesunden, großen Mann, der uns sein Sperma zur Verfügung stellt. Und sonst niemandem! Kontakt zum Kind ist nicht gewünscht“ (Mama hoch zwei).

          Susanne Kusicke

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Vier Einträge in einem Online-Forum; innerhalb eines Monats finden sich dort gut ein Dutzend solcher Kontaktanzeigen. Wie reagieren Kinder, die in eine gleichgeschlechtliche Beziehung geboren werden, wenn sie erfahren, dass am Anfang ihres Lebens womöglich eine solche Anzeige stand? In den Diskussionen über das Kindeswohl in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften wird diese Frage selten gestellt; in Handbüchern für gleichgeschlechtliche Paare wird meist empfohlen, die Kinder über ihre Herkunft aufzuklären, sobald sie danach zu fragen beginnen. Die Kinder selbst sind in der Mehrzahl noch minderjährig; über ihr Befinden geben in den wenigen Untersuchungen, die es dazu bisher in Deutschland gibt, meist die Eltern Auskunft.

          „Hab' ich auch einen Papa?“

          Der Sohn von Rosalie Winter (Name von der Redaktion geändert), fragte seine eine Mutter im Alter von zweieinhalb Jahren zum ersten Mal, ob er denn auch einen Papa habe wie die anderen Kinder in der Krabbelstube. „Klar hast du auch einen Papa“, antwortete die Mutter. „Und wo ist denn der?“ „Wir kennen ihn nicht.“ Da war Stille, mehrere Wochen lang.

          Dann starb der Vater eines anderen Kindes in der Kita. Der sei jetzt im Himmel, berichtete der Sohn, und wollte wissen, ob sein Vater da auch sei? Daraufhin erklärten ihm seine Mütter, dass der Vater ihnen seinen Samen verkauft habe, damit er geboren werden konnte. Dann fragte der Junge, warum der Vater das gemacht habe. „Wir sagten ihm, dass der Mann uns helfen wollte, weil wir keine Kinder bekommen konnten, ungefähr, als würde man in eine Apotheke gehen und ein Medikament kaufen“, berichtet Rosalie Winter. Danach war der kleine Junge lange Zeit der Meinung, sein Vater lebe in einer Apotheke.

          Rosalie Winter erzählt diese Geschichte selbstbewusst, fast, als handele es sich um eine Anekdote. Die mittlerweile 47 Jahre alte Frau, die als Psychotherapeutin in München selbst gleichgeschlechtliche Paare berät, ist froh, dass sich für sie der Kinderwunsch überhaupt erfüllen konnte, und dass sie dafür nicht auf jenen in der Szene bekannten schwulen Mann zurückgreifen musste, der angeblich in München schon um die 30 Kinder mit lesbischen Frauen gezeugt hat. „Da laufen jetzt 30 Halbgeschwister herum, das ist doch eine grausige Vorstellung“, sagt Rosalie Winter.

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