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Verbot im Tutorium : Kieler Studentin will für Recht auf Nikab streiten

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Eine Kieler Studentin möchte ihre Nikab bei Lehrveranstaltungen tragen. Bild: AP

Weil eine Studentin mit einem Gesichtsschleier an einem Tutorium teilnahm, hat die Universität Kiel ein Verbot erlassen. Nun will sich die zum Islam konvertierte Deutsche offenbar wehren.

          Der Streit um das Vollverschleierungs-Verbot in Lehrveranstaltungen der Universität Kiel könnte einem Medienbericht zufolge in die nächste Runde gehen. Eine betroffene Studentin und Nikab-Trägerin wolle „auf alle Fälle“ juristisch gegen das Verbot der Christian-Albrechts-Universität vorgehen, berichteten die „Kieler Nachrichten“. Die zum Islam konvertierte Deutsche sagte der Zeitung, es hätten sich bereits mehrere Anwälte dieses Falles angenommen. Ein Verein, der sich für religiös Diskriminierte einsetze, unterstütze sie finanziell.

          Das Uni-Präsidium hatte das Verbot am 29. Januar erlassen. Es solle dafür Sorge tragen, „dass die Mindestvoraussetzungen für die zur Erfüllung universitärer Aufgaben erforderliche Kommunikation in Forschung, Lehre und Verwaltung sichergestellt sind“. Dazu gehöre die offene Kommunikation, welche „auch auf Mimik und Gestik beruht“. Daher dürfe ein Gesichtsschleier „in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Gesprächen, die sich auf Studium, Lehre und Beratung im weitesten Sinne beziehen, nicht getragen werden“.

          Das Präsidium der Hochschule hatte sich laut einem Sprecher zu dem Schritt entschieden, nachdem die Studentin kurz vor Weihnachten mit einem Gesichtsschleier zu einem Tutorium in Botanik erschienen war. Die Studentin nannte die Argumentation der Hochschule der Zeitung gegenüber „überzogen, symbolisch und argumentativ haltlos“. Das Grundgesetz spiegele ein Verständnis dieses Landes von persönlicher Freiheit, Toleranz und Diversität wider: „Und das lässt sich nicht mit einer universitären ,Richtlinie’ rechtlich aushebeln oder einschränken.“

          Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte den Schritt der Uni vergangene Woche begrüßt und eine Gesetzesinitiative gegen das Tragen von Gesichtsschleiern in den Schulen angekündigt. Kritik kam dagegen von den Grünen.

          Bislang gelten an den Schulen in Schleswig-Holstein Handlungsleitlinien zum Umgang mit Religion, Islamismus und Salafismus. In der vom Bildungsministerium herausgegebenen Broschüre werden Formen der vollständigen Gesichtsverschleierung in der Schule als „nicht angemessen und unzulässig“ erklärt. Lehrkräfte und Lernende sollen bei schulischen Veranstaltungen ihren Gesprächspartnern ins Gesicht schauen können. Nikab und Burka machten „nicht nur die Identifikation der Schülerin unmöglich. Sie sind zudem im täglichen Unterrichtsbetrieb ein objektives Hindernis für die Erfüllung des pädagogischen Auftrags der Schule“, heißt es in der Broschüre.

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