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Deutschpflicht für Imame : „Sprachtests sind nur ein erster Schritt“

Der Leiter des Zentrums für islamische Theologie, Mouhanad Khorchide Bild: Picture-Alliance

Das Bundeskabinett beschließt eine Deutschpflicht für Imame. Im Interview erklärt der Theologe Mouhanad Khorchide, was er sich davon erwartet – und was er verlangt.

          2 Min.

          Herr Khorchide, ist die Deutschpflicht für Imame ein Schritt in die richtige Richtung?

          Alexander Haneke

          Redakteur in der Politik.

          Gut ist zunächst mal, dass die Deutschpflicht für alle Prediger gilt, also auch für katholische Priester. Das ist wichtig, sonst ist schnell von Diskriminierung die Rede. Unabhängig davon ist es natürlich ein richtiger Schritt. Wir haben immer gesagt, dass Imame die Landessprache sprechen müssten. Und es zeigt, dass wir nach vielen Jahren Diskussion anfangen, klare Maßnahmen zu ergreifen. Aber das Problem mit Imamen aus dem Ausland ist längst nicht gelöst.

          Was ist das größte Problem?

          Wenn wir auf die salafistischen Prediger schauen: Da spricht die Mehrheit sowieso Deutsch, viele als Muttersprache. Die Salafisten sind ein ganz eigenes Problem.  Bei den nicht-salafistischen Predigern aus dem Ausland ist es mit der Sprache nicht getan. Viele Imame wissen nichts über die Lebenswelt hier im Land, über Gleichberechtigung, den Menschen als selbstbestimmtes Wesen. Das sind die Themen, mit denen Imame konfrontiert werden müssten. Das gilt übrigens genauso für die katholischen Priester. Die Kirchen haben oft die gleichen Probleme, wenn da jemand aus einem anderen Kulturkreis in die Gemeinde kommt und ganz eigene Vorstellungen von Leben und Gesellschaft hat. Sprache ist da nur die Verpackung.

          Was schlagen Sie vor?

          Alle Prediger aus dem Ausland müssten einen Kurs absolvieren, der sie mit den modernen Werten in Berührung bringt und mit den Grundlagen des Lebens hier vertraut macht.

          Also so etwas wie ein Predigerschein?

          Ich glaube tatsächlich, dass wir standardisierte Kurse brauchen. Verbunden mit der Verpflichtung, sich an die Wertordnung des Grundgesetzes zu halten Natürlich ändert man damit nicht gleich die Einstellungen dieser Menschen, aber man sensibilisiert sie dafür, dass sie in einem anderen Land sind. Und das Aufenthaltsrecht ist der wirksamste Hebel, den die Politik hat. Der Staat kann ein Visum an Voraussetzungen knüpfen. Auf dem Weg kommt er an die Leute heran. Aber natürlich müssten die Imame dann irgendwie Kontakt zur deutschen Gesellschaft bekommen. Da reicht es nicht, wenn einmal im Jahr ein Tag der offenen Moschee stattfindet, so etwas müsste es jede Woche geben, dass die Gemeinden ihre Türen für alle öffnen.

          Österreich hat vor einer Weile ähnliche Vorschriften erlassen. Was sind die Erfahrungen?

          Der wesentliche Punkt des österreichischen Islamgesetzes von 2015 war, dass man versucht hat, die Abhängigkeit der Moscheen aus dem Ausland zu vermindern. Eine Vorschrift war, dass die Moscheen nachweisen müssen, dass sie die Stellen von Imamen aus dem Inland finanzieren. Auf lange Sicht hat aber auch das wenig geändert, weil die ausländischen Geldgeber einfach Stiftungen im Inland gegründet haben und das Geld auf diesem Weg fließt. Die Finanzierung der Moscheegemeinden aus dem Ausland ist weiter das größte Problem.   

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