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Infektionsschutz an Schulen : Jeder testet für sich allein

In der Turnhalle des Montessori-Schulzentrums in Leipzig schreiben 72 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums Ende Januar eine Vorprüfungs-Klausur. Bild: dpa

Die Kultusminister konnten sich nicht auf eine Testpflicht für Schulen einigen. Schüler und Lehrer sollen sich weiter auf freiwilliger Basis testen. In Baden-Württemberg darf das Schulgelände bald nur noch mit einem negativen Test betreten werden.

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          Einig sind sich die Kultusminister eigentlich nur darin, dass alle Abschlussprüfungen stattfinden sollen. Das gilt für das Abitur, die Fachhochschulreife, Prüfungen für den ersten und den mittleren Schulabschluss sowie Berufsabschlussprüfungen. Das ist ein Minimalkonsens.

          Heike Schmoll
          (oll.), Politik

          Auch wenn die Mehrheit der Länder bei den mehrstündigen Beratungen am Donnerstagabend für eine Testpflicht votierte, scheiterte ein einstimmiger Beschluss an Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern, die Selbsttests für Schüler und Lehrer nach wie vor auf Freiwilligkeitsbasis anbieten wollen.

          Berlin setzte erst auf Freiwilligkeit

          Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), kündigte „möglichst zwei“ Tests pro Woche an. Das bedeutet, dass nicht einmal zwei Tests pro Woche und Schüler gewährleistet sind. Sachsen hat die Schüler schon lange verpflichtet, einen Selbsttest zu machen, Berlin hat es erst einmal auf dem freiwilligen Wege versucht und ist damit gescheitert.

          In einem Brief an die Schulaufsicht berichten die Schulleiter des Bezirks mit den höchsten Inzidenzen, Neukölln, von sehr unterschiedlichen Quoten an den Schulen. Teilweise habe sich nur die Hälfte getestet. Der Aufwand war beträchtlich. Alle Schüler waren geschult worden, zehn Tests für fünf Wochen mit nach Hause gegeben worden. Nun macht auch Berlin eine Kehrtwende und führt eine Testpflicht unter Aufsicht ein.

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          Wie die Schulen diese Tests praktisch organisieren, bleibt ihnen selbst überlassen. Testen in Klassenräumen dürfte eigentlich keine Option sein – die Luft würde sich schnell mit Aerosolen anreichern, wenn erst einmal alle die Maske abgesetzt haben. „Während es noch im Februar hieß, dass Testen im Klassenzimmer zu unsicher sei, weil beim Abstreichen geniest wird ..., kommt die Senatsbildungsverwaltung jetzt zu einem anderen Ergebnis“, kritisiert der Landeselternausschuss Berlin. Wie in Brandenburg auch sollen nach den Osterferien nur die Grundschüler (erste bis sechste Klasse) und die Abschlussklassen in den Präsenzunterricht zurückkommen. Die Klassen sieben bis neun folgen am 19. April, wenn die Abiturienten die Schule verlassen haben.

          Unter den Lehrern der weiterführenden Schulen herrscht vor allem deshalb Ärger, weil ihre Impftermine (mit Astra-Zeneca) abgesagt wurden. Das einzige Land, das alle Lehrer weiterführender Schulen mit Ausnahme eines Landkreises durchgeimpft hat, ist Sachsen-Anhalt. In den meisten anderen Ländern konnten bisher nur Grundschullehrern Impfungen angeboten werden.

          Weil Nordrhein-Westfalen es nicht geschafft hat, genügend Tests zu beschaffen, müssen dort alle Schüler bis auf Abschlussklassen noch im Distanzunterricht bleiben. Von einer Teststrategie für Schulen ist schon seit Weihnachten die Rede, und die Schnelltests sind vorhanden. Bund und Länder hatten sich schon im Februar auf mindestens zwei Tests pro Woche für Schüler und Schulpersonal verständigt. In der Regel will Nordrhein-Westfalen beim Wechselunterricht in Lerngruppen mit halber Klassengröße bleiben.

          Baden-Württemberg verlangt negativen Corona-Test

          In Baden-Württemberg dürfen Lehrer, Schüler und auch Hausmeister nach dem Willen des Kultusministeriums nach dem 19. April ohne negativen Corona-Test nicht mehr am Unterricht teilnehmen oder das Schulgelände betreten. Wer sich nicht testet, muss digital beschult werden. Das schreibt die Landesregierung den Stadt- und Landkreisen mit mehr als 100 Corona-Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen vor und bezeichnet es auch als „indirekte Testpflicht“. Die angeleiteten Selbsttests finden in der Verantwortung der Schule statt. Wer in der Woche vom 12. April in die Schulen zurückkehrt, kann sich noch freiwillig testen lassen.

          In Bayern sollen die Schulen bei einer Inzidenz von 100 in einer Stadt oder in einem Landkreis wieder Fernunterricht anbieten, in Sachsen sollen sie unabhängig von den Inzidenzen offen bleiben. Hamburg verlegt sich erst auf Fernunterricht, wenn die Inzidenz an mehreren Tagen bei über 200 liegt.

          In Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz findet der Unterricht wieder statt, auch im Saarland hat die Schule am Donnerstag wieder begonnen. Hamburg hatte keine Osterferien, und in Hessen und Schleswig-Holstein dauern die Ferien noch bis Ende kommender Woche.

          Während die Kinder- und Jugendärzte auf die bleibenden Schäden für Kinder verweisen, die so lange keine Schule haben (in der Mittelstufe der Klasse sieben bis neun sind es inzwischen vier Monate), wollen die Lehrerverbände weiterhin Schulschließungen. Der Kieler Bildungsforscher Olaf Köller verwies gegenüber der F.A.Z. darauf, dass die Nationalakademie Leopoldina schon im August vergangenen Jahres Teststrategien für die Schulen gefordert habe, geschehen sei jedoch nichts. Er plädierte dafür, beim Wechselunterricht – soweit technisch möglich – die zu Hause lernende Gruppe dazuzuschalten und hybrid zu unterrichten.

          Außerdem sprach er sich noch einmal dafür aus, sich gerade in der Mittelstufe auf die Kernfächer zu beschränken und die Schüler hier voranzubringen, weil sie in diesen Fächern ihre Abschlussprüfungen machen. Köller warf den Kultusministern vor, immer noch keine Strategie und keine echten Konzepte für Wechselunterricht zu haben.

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