https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kein-regenbogen-stadion-den-protest-nicht-dem-sport-aufbuerden-17402463.html

UEFA als Sündenbock : Politik für die eigene Erleuchtung

Manchmal sendet auch die Natur Zeichen. Hier in Köln. Bild: dpa

Wer hindert Markus Söder daran, im Regenbogen-Kostüm nach Ungarn zu reisen? Den Protest gegen Orbán dem Sport aufzubürden, beweist nur den Gratis-Mut von Provinzpolitikern.

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          Die EU-Kommission prüft das ungarische Gesetz, das „Werbung“ für Homosexualität verbietet – und das ist gut so. Natürlich ist das Eintreten für Selbstbestimmung und gegen Diskriminierung nicht nur Sache staatlicher und supranationaler Stellen. Auch Sport ist politisch.

          Doch das breite Eindreschen auf die UEFA, die das Erleuchten des Münchner Stadions in Regenbogenfarben aus Protest gegen die Politik des ungarischen Regierungschefs abgelehnt hat, ist so bigott wie billig. Niemand hindert den wandelbaren bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder daran, Orbán im Regenbogenkostüm zu begrüßen. Niemand hindert die Bundeskanzlerin, deren Sprecher sich auch geäußert hat, daran, das Wachbataillon beim nächsten Staatsbesuch kunterbunt antreten zu lassen.

          Stattdessen muss die UEFA als Sündenbock herhalten – die sich dazu tatsächlich eignet: Profit geht vor, und mit den Rechten homosexueller Fußballer ist es nicht weit her. Also warum nicht alle deutschen Stadien an allen Spieltagen beleuchten? Manuel Neuer hat seine Kapitänsbinde, die ihm die UEFA ließ, schließlich auch nicht nur zum Ungarn-Spiel übergestreift. Stattdessen stolzer Gratis-Mut bayerischer Provinzpolitiker – die Folgen müssen andere tragen. An die Spieler, insbesondere die ungarischen, denkt offenbar niemand. Nur an das eigene Gewissen.

          Das regt sich aber offenbar auch nur selektiv. Polen steht ebenso im Visier der EU, Russland schert sich unter Putin weder um Völkerrecht noch um Menschenrechte im Besonderen. An sportlichen Großereignissen nehmen auch immer zweifelhafte bis diktatorische Regime teil. Da gibt es viel zu tun. Doch ist zu hoffen, dass nicht nur in den Vereinten Nationen, wo jeder Staat Sitz und Stimme hat, sondern erst recht im Sport trotz aller Kommerzialisierung die Sache und die Verständigung im Vordergrund stehen und damit auch die formale Gleichheit.

          Wenn es wenigstens um die Rechte der Betroffenen ginge. Doch selbst wenn jetzt alle deutschen Städte ihre Stadien anstrahlten und eine Lichterkette bildeten: Es geht vor allem um die eigene Erleuchtung.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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