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Kein politisches Comeback : Die CSU schließt das Kapitel Guttenberg

  • -Aktualisiert am

Guttenbergs Brief an die CSU: „Ich habe aus meinen Fehlern zu lernen“ Bild: dpa

Der Freiherr übergibt dem CSU-Vorsitzenden einen „politischen“ Abschiedsbrief und tritt die Heimreise über den Atlantik an. Horst Seehofer deutet indes an, bis 2018 den Freistaat führen zu wollen.

          Die ganz große Geste hat der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer am Freitag in München gewählt, um bekanntzugeben, dass sich sein einstiger Rivale Karl-Theodor zu Guttenberg „auf lange Sicht“ aus der deutschen Politik zurückzieht. Statt eine knappe schriftliche Mitteilung verbreiten zu lassen, trat Seehofer in der CSU-Parteizentrale vor die Kameras und Mikrofone – ohne Guttenberg, der schon wieder auf dem Weg in die Vereinigten Staaten war.

          Fast mutete es wie ein politisches Requiem an, angefangen vom dunklen Anzug Seehofers mit Weste und Ordensminiatur bis zu den getragenen Worte, die der Vorsitzende wählte: „Verständnis und Respekt“ – diese Formel gebrauchte Seehofer in immer neuen Wendungen, um Guttenbergs Entscheidung zu würdigen.

          „Sehr persönliche Gründe“

          Der Wille Seehofers, jede Legendenbildung um den Rückzug Guttenbergs aus der politischen Arena zu vermeiden, war überdeutlich zu sehen und zu hören. Guttenberg habe in diesem Monat in einer SMS um ein Gespräch mit ihm gebeten, das am Donnerstagabend gegen 18 Uhr stattgefunden habe, berichtete Seehofer, als käme es für künftige Geschichtsbücher auf jede protokollarische Nuance an.

          Der frühere Bundesverteidigungsminister habe ihm „sehr persönliche Gründe“ geschildert, warum er im nächsten Jahr nicht in seinem früher Bundestagswahlkreis in Oberfranken antreten wolle – Gründe, die auch in einem Schreiben Guttenbergs an die CSU-Mitglieder dokumentiert seien.

          Kein falscher Zungenschlag

          Seehofer ließ, noch während er sprach, das Schreiben verteilen – sichtlich bemüht, vorzusorgen, dass sich in die Meldungen, die eilends von den Nachrichtenagenturen verbreitet wurden, kein falscher Zungenschlag einschleiche. Wenig später wurde es auf die Internetseiten der CSU gestellt.

          Dieses Schreiben habe Guttenberg schon dabei gehabt, als er zu dem Gespräch mit ihm gekommen sei, merkte der Parteivorsitzende an, als ginge es darum, jeden Verdacht zu zerstreuen, hier sei jemand die Feder geführt worden.

          Auch durch spöttische Zwischenfragen, warum er als Pressesprecher und Briefträger Guttenbergs in einer Person agiere, ließ sich Seehofer in seinem getragenen Duktus nicht irritieren. Über die Motive Seehofer, sich mit einer dienenden Rolle zu bescheiden, musste nicht lange gerätselt werden. Die Stimmen, die CSU dürfe nicht auf ein Talent wie Guttenberg verzichten, waren in den vergangenen Monaten zwar leiser geworden; dazu hatten auch Guttenbergs lose Worte über die eigene Partei beigetragen.

          Doch verstummt waren sie nicht, zumal die Riege der jüngeren CSU-Politiker, die für höhere Aufgaben als tauglich erachtet werden, klein ist. Blicke auf Markus Söder, dem Finanzminister, tauchten Guttenberg bei aller Enttäuschung, die in der Partei über ihn herrschte, in milderes Licht. Seehofer, der erfahrene Taktiker, nahm selbst die Rufe nach Guttenberg immer wieder auf, auch wenn es nicht an Warnungen fehlte, eine Rückkehr des Freiherrn in vordere Parteilinien werde der CSU mehr schaden als nutzen.

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