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Kein politisches Comeback : Die CSU schließt das Kapitel Guttenberg

  • -Aktualisiert am
Horst Seehofer verkündet Guttenbergs Abschied von politischen Ambitionen: Nun ist in der CSU niemand mehr, der ihm gefährlich werden könnte
Horst Seehofer verkündet Guttenbergs Abschied von politischen Ambitionen: Nun ist in der CSU niemand mehr, der ihm gefährlich werden könnte : Bild: dpa

Seehofer musste zunächst abwarten: Jedes Drängen, es müsse Klarheit geschaffen werden, wie es Guttenberg mit seiner Zukunft halte, wäre für ihn abträglich gewesen. Für den CSU-Vorsitzenden war es dann die perfekte Dramaturgie, die sich am Donnerstagabend entfaltete und in seinem Auftritt am Freitag kulminierte. Und perfekt aus Seehofers Sicht war auch der Inhalt des Schreibens, das keinen Spielraum für Spekulationen bot, Seehofer werde nochmals den Atem Guttenbergs im Nacken spüren – wie es zur politischen Hochzeit des Freiherrn gewesen war, bevor die Plagiate in seiner Dissertation bekannt wurden.

„Auf lange Sicht“ werde er keine Einladungen zur Auftritten bei öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland annehmen, lautete der Kernsatz in Guttenbergs Schreiben. Schon gegebene Zusagen werde er zurücknehmen; ursprünglich wollte Guttenberg in Aachen die Laudatio auf den nächsten Ritter wider den tierischen Ernst halten. Ein wenig kokett merkte Guttenberg noch an, er danke „für zahlreiche Anfragen, die mich gerade in den vergangenen Monaten erreicht haben“ – es war der einzige narzisstische Reflex, den sich Guttenberg in dem zweiseitigen Schreiben erlaubte.

„Zeit und Abstand“

Vielmehr war sein Bemühen nicht zu übersehen, einen – durchaus selbstkritischen – Schlussstrich unter seine politische Biographie zu ziehen. Nicht jede seiner Reaktionen und Äußerungen im vergangenen Jahr, das er als „extrem“ empfunden habe, seien klug gewesen, schrieb er. Auch die letzten Wochen, die viele als „Comeback-Inszenierung“ empfunden hätten, „obgleich es nicht meine Absicht war“, seien missglückt gewesen. Er habe daraus seine Lehren zu ziehen; dazu bedürfe es „Zeit und Abstand“, schrieb Guttenberg in einer für ihn selten klaren Diktion. Nur einmal verfiel er in seine frühere Herrenreiter-Prosa: „Die Phase der Aufarbeitung von Verfehlungen, eigenem Verschulden und meiner persönlichen Neuorientierung beinhaltet auch einen notwendigen Rückzug aus dem Licht der deutschen Öffentlichkeit.“

Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Suche nach einer neuen Rolle - aber ohne politisches Mandat
Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Suche nach einer neuen Rolle - aber ohne politisches Mandat : Bild: dpa

In der CSU herrschten am Freitag wenig Zweifel, dass das Kapitel Guttenberg für die Partei abgeschlossen ist – und es für lange Zeit nicht wieder geöffnet werden wird, auch wenn der Freiherr hervorhob, dass die CSU seine politische Heimat bleibe. Zu unmissverständlich waren die Worte Guttenbergs in seinem Schreiben, er wolle sich „neuer Aufgaben annehmen“ und werde sich zwar zuweilen zu außenpolitischen Fragen äußern, „allerdings nicht als Politiker, sondern aus politisch denkender Mensch.“ Zu unmissverständlich war auch, dass Guttenberg seinen Lebensmittelpunkt in der nächsten Jahre in den Vereinigten Staaten sieht, wo er mit seiner Familie wohnt; er freue sich auf persönliche Begegnungen „trotz räumlicher Distanz.“

Es mochte Zufall sein, dass just am Freitag nachzulesen war, Seehofer wolle, wenn die Wähler im nächsten Jahr die CSU wieder zur Regierungspartei bestimmten, bis 2018 das Amt des Ministerpräsidenten ausfüllen. In Guttenbergs goldener Zeit hätte Seehofer damit nur Hohngelächter geerntet. Nun ist in der CSU niemand mehr, der ihm gefährlich werden könnte. Was geschieht, wenn die Wähler im nächsten Jahr doppelt ungnädig zur CSU sind und sie sowohl im Bund als auch im Land in die Opposition verbannen, ist eine andere Frage. Es spricht allerdings wenig dafür, dass sich dann Bittprozessionen über den Atlantik aufmachen: Guttenberg ist für die CSU Geschichte und dürfte es bleiben.

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