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Partys trotz Corona : Kein Alkoholverkauf in Hamburgs Szenevierteln

Beschränkte Freiheit: Polizisten sperren den Zugang zur Großen Freiheit. Bild: dpa

Ermahnungen haben nicht gewirkt. Jetzt will Hamburg den Außer-Haus-Verkauf von Alkohol auf seinen Partymeilen einschränken. Ein Schritt, der vielen wehtut.

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          Ihm widerstrebe, was sie hier machen müssten, sagt Falko Droßmann. Bei der Großen Freiheit auf dem Hamburger Kiez sei der Name auch ein Versprechen. Der SPD-Politiker Droßmann leitet das Bezirksamt Mitte in der Hansestadt, zu dem St. Pauli mit dem Kiez gehört. Am Dienstag sitzt er bei einer Pressekonferenz und sagt, das auch in Corona-Zeiten rücksichts- und abstandslos feiernde und trinkende Partyvolk würde sie nun aber zwingen, diese Maßnahmen zu ergreifen. „Wir wollen das nicht, es passt nicht zu unserem Bezirk, aber wir haben keine andere Wahl.“ Die Feierviertel der Hansestadt sollen trockengelegt werden, zumindest ein bisschen. Alles im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Am Dienstag hat der Hamburger Senat die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Bezirke den Außer-Haus-Verkauf von Alkohol auf ihren Partymeilen in der Corona-Krise einschränken können; sei es in Kiosken, Tankstellen oder auch den sogenannten Gassenverkauf von Alkohol aus den Gastronomiebetrieben heraus. Im Blick sind dabei neben dem Kiez vor allem die Schanze rund um die Rote Flora im Bezirk Altona und noch zwei Plätze in Ottensen. Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils von 20 Uhr am Abend bis 6 Uhr am nächsten Morgen, soll das Verbot gelten. Davon seien allein im Bereich St. Pauli 75 Betriebe des Einzelhandels betroffen, sagt Droßmann. Am Montag werden man überprüfen, was das Verbot gebracht habe.

          Mit dem Verbot reagiert die Stadt auf die Exzesse der vergangenen Wochenenden. Nun ist das Problem von feiernden Massen auf den Straßen im Kiez oder in der Schanze eigentlich nichts Neues. Seit Jahren beschweren sich Anwohner der sogenannten Szeneviertel über das „Cornern“, wie das gemeinschaftlich betrunkene Herumlungern genannt wird. Auch auf St. Pauli gab es schon Proteste gegen den billigen Alkohol aus all den Kiosken, der nicht nur die Stimmung auf den Straßen schnell anfacht, sondern auch Gastronomen nervt.

          An den vergangenen Wochenenden aber hatte sich gezeigt, dass nicht einmal die Corona-Krise die Feiernden stoppen kann. Bilder aus den Nächten machten klar, dass weder Abstands- noch Hygienregeln einzuhalten waren. Dicht an dicht standen die Massen auf der Schanze, dem eher linksbewegten Ballermann. Auf dem Kiez, wo laut Droßmann vermehrt „erlebnisorientierte Jugendliche“ unterwegs seien, sperrte die Polizei die Große Freiheit wegen Überfüllung mehrere Male. Mehrfach sei die Lage an den „Corner-Brennpunkten auf dem Kiez und in der Schanze“ außer Kontrolle geraten, kritisiert die oppositionelle CDU.

          Trotzdem hatten Senat und Bezirke am vergangenen Wochenende es noch einmal mit Ermahnungen versucht – und ohne Verkaufs-Verbote. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Immerhin: im Gegensatz zu Vorfällen in Stuttgart oder Frankfurt blieb es alles in allem friedlich. Nun soll straßengenau festgelegt werden, wo die Verbote gelten. Und wenn es auch an diesem Wochenende nicht besser wird, macht die Leiterin des Bezirksamtes Altona, Stefanie von Berg (Grüne) klar, gebe es noch weitere Schritte, die man gehen könne: Betretungsverbote zum Beispiel.

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