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Katrin Göring-Eckardt im Gespräch : „Ich bete nicht für Urwahlergebnisse“

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Die Spitzenkandidaten der Grünen Katrin Göring-Eckardt war in der Schule eher aufmüpfig Bild: Lüdecke, Matthias

Katrin Göring-Eckardt ist eine der beiden Spitzenkandidaten der Grünen. Sie liest jeden Tag einen Bibelvers, und mit Angela Merkel war sie mal in einer Partei. Ein Interview über Bürgerlichkeit, Religion und eine Kindheit in der DDR.

          8 Min.

          Kürzlich wurden die Spitzenkandidaten der Grünen von der Parteibasis gewählt. Sie haben Renate Künast und Claudia Roth um zehn beziehungsweise zwanzig Prozentpunkte abgehängt. Hat Sie das überrascht, Frau Göring-Eckardt?

          Ich habe es schon für möglich gehalten, dass ich gewinne. Sonst wäre ich nicht angetreten. Mit einem so großen Vorsprung hatte ich aber nicht gerechnet. Das hat mich natürlich gefreut.

          Warum hat die Basis der Grünen so klar entschieden?

          Ich nehme an, den Mitgliedern ging es darum, dass wir im Wahlkampf möglichst viele Wählerinnen und Wähler ansprechen können und dass sie das einem Duo Trittin/Göring-Eckardt am ehesten zutrauen. Da gibt es die Wähler, die schon immer die Grünen gewählt haben und das hoffentlich weiter tun. Aber es gibt auch diejenigen, die mal CDU, mal SPD oder auch mal gar nicht gewählt haben. Die wollen wir gewinnen.

          Ihre Eltern hatten in der DDR eine Tanzschule und haben Ihnen Walzer beigebracht und gute Manieren. Fehlen uns solche Manieren heute?

          Der schwarz-gelben Koalition bestimmt.

          Die Gesellschaft besteht nicht nur aus der schwarz-gelben Koalition.

          Ich finde nicht, dass in unserer Gesellschaft gutes Benehmen und Manieren fehlen. Aber manches müssen wir neu lernen, Höflichkeit in sozialen Netzwerken zum Beispiel ist nicht so leicht bei 140 Zeichen. Was die richtigen Manieren sein sollen, ist nicht mehr so eng gefasst wie früher. Da gibt es heute eine breite Palette von Möglichkeiten. Aber es schadet sicher nicht, Grundkenntnisse eines höflichen Umgangs miteinander zu haben.

          Sind Sie in einem oppositionellen Elternhaus aufgewachsen?

          Überhaupt nicht. Meine Mutter ist in den fünfziger Jahren von der Schule geflogen, weil sie in der kirchlichen Jungen Gemeinde war und das auch offen gesagt hat. Sie wollte immer vermeiden, dass mir das Gleiche passiert. Deswegen verfolgten meine Eltern die Linie, dass man bestimmte Sachen drinnen, zu Hause erzählen sollte und andere Dinge draußen. Mein Vater hat für Franz Josef Strauß geschwärmt. Er war sehr konservativ und hat das zu Hause durchaus ausgelebt. Aber das hatte nichts mit Opposition zu tun. Mit der Opposition hatte ich erst Kontakt, als ich als Jugendliche in die Junge Gemeinde kam.

          Wollten Sie weg?

          Na, zumindest entstand in mir eine große Sehnsucht, in die Ferne zu reisen. Ich habe mit 13 Jahren angefangen, dafür zu sparen. Ich hatte eine Tante in Westdeutschland, die mir ab und zu zehn D-Mark geschenkt hat. Ich habe ausgerechnet, dass das Geld, einigermaßen konsequent gespart, dann reichen müsste, um im Rentenalter, in dem DDR-Bürger ja reisen durften, nach New York zu können. Als die Mauer gefallen war, war ich dann schon 1992 in New York.

          Sie waren in der FDJ, aber auch in kirchlichen Kreisen aktiv. Waren Sie angepasst oder eine Quertreiberin?

          Ich war in der Schule eher aufmüpfig. Meine Zensuren für Betragen waren nicht die besten.

          Nämlich?

          In guten Jahren eine Zwei. Das klingt jetzt nicht nach einer Katastrophe, aber das war als Zensur für Betragen für Mädchen an meiner DDR-Schule eher ungewöhnlich.

          Was sagten Ihre Eltern?

          Mein Vater hat immer gesagt, er wünsche sich kein Kind, das eine tolle Note in Betragen hat. Eine totale Mitläuferin - das wollte er auch nicht.

          Und in der FDJ?

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