https://www.faz.net/-gpf-8g68n

Katholischer Pfarrer : „Die AfD ist der Zwilling der Islamisten“

AfD-Chef Jörg Meuthen (in der Mitte) hält die Angriffe für „blanken Unsinn“. Bild: dpa

Ein katholischer Pfarrer greift die AfD-Politiker Gauland und von Storch für ihre massive Islamkritik an. Ihre Äußerungen hätten „volksverhetzenden Charakter“. AfD-Chef Meuthen reagiert: „Das ist pervers.“

          Der Stadtdekan der katholischen Kirche in Stuttgart, Christian Hermes, hat den islamkritischen Kurs der Alternative für Deutschland (AfD) äußerst scharf angegriffen. Der Geistliche nennt die Aussagen der Europaabgeordneten Beatrix von Storch und des AfD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag von Brandenburg, Alexander Gauland, „niederträchtig und selbst verfassungsgefährdend“. Es sei „verantwortungslos und hetzerisch“, wenn beide AfD-Politiker behaupteten, der Islam sei keine Religion, sondern lediglich eine „politische Ideologie“, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sei.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Äußerungen Gaulands und von Storchs hätten „volksverhetzenden Charakter“. Es sei abwegig, wenn sich die beiden führenden AfD-Politiker auf das Christentum berufen würden: „Ganz im Gegenteil ist das, was Sie und ihre Partei betreiben, Verrat am christlichen Abendland. Insofern ist die AfD paradoxerweise der Zwilling der Islamisten und deren stärkste Unterstützerorganisation in Deutschland“.

          „Kriegerisch-aggressive Ideologie“

          Zur Begründung schreibt Hermes: Die AfD teile mit der Terrororganisation „Islamischer Staat“ die Auffassung, dass der Islam eine „kriegerisch-aggressive Ideologie“ sei. Ziel der AfD sei es, die Religion des Islam aus dem Schutzbereich des Grundgesetzes zu entfernen.

          Die AfD solle sich nicht länger als Verteidigerin des Christentums aufspielen, sie sei nicht, wie sie im Wahlkampf behauptet habe, die „natürliche Verbündete“ des Christentums. „Geistig ist die AfD damit im 19. Jahrhundert, bei Kanzelparagraphen, Kirchenkampf und Staatskirchentum hängengeblieben“, heißt es in dem Brief, den Hermes am 20. April an Meuthen schickte und sogleich auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. Hermes bezieht sich  in seinem Brief ausdrücklich auf einen Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS).

          Jörg Meuthen, dem Bundessprecher und Fraktionsvorsitzenden im baden-württembergischen Landtag, wirft der Stadtdekan vor, in seinem Landesverband die „abwegigsten und gefährlichsten Verrücktheiten von Parteikollegen gedeckt, verteidigt und bagatellisiert“ zu haben. Gemeint ist damit zum Beispiel eine Aussage des Bundesvorsitzenden der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“, der in einer Rede angekündigt hatte, die AfD werde „aufräumen“, wenn sie an die Macht komme.

          Bevor Meuthen zum „Dr. Jekyll“ der AfD werde, so Hermes, müsse er sich von den zahlreichen Entgleisungen seiner Parteikollegen distanzieren und sie „unmissverständlich verurteilen“.

          Meuthen widersprach den Vorwürfen: „Das ist in dieser Undifferenziertheit insgesamt blanker Unsinn. Bislang liegt mir der Brief noch nicht vor.“ Normalerweise sei er immer zu einem „differenzierten Gespräch“ bereit, wenn die AfD aber als „Zwilling der Islamisten“ bezeichnete werde, dann „höre es irgendwann auf“. „Das ist pervers“, sagte Meuthen im Gespräch mit FAZ.NET.

          Auch der evangelische Landesbischof in Württemberg, Frank Otfried July, hat die islamkritische Haltung von AfD-Politikern deutlich zurückgewiesen. Die Behauptung, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sei „töricht und schädlich“, sagte er den „Stuttgarter Nachrichten“ und der „Stuttgarter Zeitung“ in deren Freitagsausgabe. „Sie helfen nicht, die jetzigen Herausforderungen – etwa durch den Zuzug von Flüchtlingen – zu bewältigen. Vielmehr führen sie zu Ausgrenzung, Dialogverweigerung, Nichtachtung und verhindern den Respekt vor Menschen anderer religiöser Überzeugungen.“ Die stellvertretende Parteivorsitzende Beatrix von Storch hatte kürzlich erklärt, „der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“.

          Weitere Themen

          Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein

          Proteste in Hongkong : Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein

          Bei den Demonstrationen in Hongkong gehen wieder Tausende auf die Straße. Einige Demonstranten werfen Pflastersteine und Molotow-Cocktails in Richtung der Polizei. Die Polizisten wiederum setzen erstmals Wasserwerfer ein – und feuern mindestens einen Schuss ab.

          G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete Video-Seite öffnen

          Noch keine konkreten Maßnahmen : G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete

          Ungeachtet anhaltender Spannungen in wichtigen politischen Fragen haben sich die G7-Staaten bei ihrem Gipfel in Biarritz auf einen gemeinsamen Gegner einigen können: die Feuer im Amazonasgebiet. Die sieben westlichen Industriestaaten seien überein gekommen, den betroffenen Staaten „so schnell wie möglich“ Unterstützung zukommen zu lassen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

          Irans Außenminister überraschend beim G-7-Gipfel

          Biarritz : Irans Außenminister überraschend beim G-7-Gipfel

          Eine Überraschung für die Teilnehmer: Dschawad Zarif ist in Biarritz eingetroffen. Er werde dort mit Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian zusammentreffen, teilte das französische Präsidialamt mit.

          Topmeldungen

          Der Faktor Wohnen wird von den meisten Menschen in der Klimadebatte übersehen. Dabei produzieren vor allem Warmwasser und Heizungen große Kohlendioxid-Emissionen.

          Wohnen und Heizen : Das ist Deutschlands Klimakiller Nr. 1

          Kaum jemand will wahrhaben, dass wir mit unseren Wohnungen dem Klima mehr schaden als mit Steaks und Flugreisen. Einige Länder reagieren darauf – während sich die Politik in Deutschland nicht einigen kann.

          Biarritz : Irans Außenminister überraschend beim G-7-Gipfel

          Eine Überraschung für die Teilnehmer: Dschawad Zarif ist in Biarritz eingetroffen. Er werde dort mit Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian zusammentreffen, teilte das französische Präsidialamt mit.
          Taylor Swift möchte ihre ersten sechs Alben eventuell nochmal einspielen.

          Streit um Rechte : Taylor Swift und ihr Master-Plan

          Taylor Swift kämpft zurzeit mit dem Musikmanager Scooter Braun – denn er hat die Rechte an ihren ersten sechs Alben. Nun überlegt die Sängerin, die Lieder einfach nochmal einzuspielen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.