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Katholische Kirche : Zwei Männer und ein Segen

Von dem Segnungsgottesdienst hat Robin erst am Morgen im Internet gelesen. Da saß er im Zug von Hanau nach Frankfurt, wo er Sozialarbeiter ist. „Ich dachte mir, dass es nur gut sein kann, dass man sich auch zeigt“, sagt Robin. „Die letzten Nachrichten waren ja nicht ganz so positiv“, sagt er mit Blick auf das vatikanische Schreiben von Mitte März, in dem das Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare bekräftigt wurde.

Obwohl sich die beiden am Gemeindeleben beteiligen, sind sie aus der Kirche ausgetreten. Maurice schon vor längerer Zeit, Robin erst vor kurzem, nachdem er von dem Schreiben aus Rom gehört hatte. Sein letztes Wort scheint das aber noch nicht zu sein. „Je nachdem, wie sich das in der Zukunft entwickelt, sieht die Sache dann vielleicht anders aus.“

Der Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz ist Kirchenrektor an der Liebfrauenkirche
Der Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz ist Kirchenrektor an der Liebfrauenkirche : Bild: Laila Sieber

Pater Stefan weiß, dass die Zeit drängt, um Gläubige wie Robin und Maurice nicht zu verlieren. Mit Blick auf die vatikanische Verlautbarung sagt der Kapuziner: „Wir wollten dem zeitnah ein Zeichen heilender Nähe entgegenstellen, darum haben wir uns an diesem Datum beteiligt.“ Mit dem „Datum“ meint er die Aktion „Liebe gewinnt“. „Es geht uns um unaufgeregte und unpolitische Zeichen der heilsamen Nähe und des Segens. Wir möchten uns aber davon distanzieren, dass die Aktion als Protestplattform für alles Mögliche genutzt wird.“

Pater Stefans Bischof in Limburg, Georg Bätzing, hatte das vatikanische Verbot scharf kritisiert, sich aber auch von der Aktion distanziert. Er halte „öffentliche Aktionen, wie die für den 10. Mai geplanten, nicht für ein hilfreiches Zeichen und einen weiterführenden Weg“, sagte Bätzing Ende April in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

„Unser Bischof hat ja ganz richtig gesagt, ob solche Segnungsfeiern jetzt das richtige Zeichen seien, da würde er ein Fragezeichen hinter machen. Ich finde, damit hat er völlig recht, da ist tatsächlich noch viel Klärungsbedarf“, sagt Pater Stefan. Gleichzeitig sieht der Kapuzinerpater, „dass die letzte Verlautbarung der Glaubenskongregation bei vielen Menschen zu Enttäuschung und Verletzungen geführt hat“. Pater Stefan bekam für das Segensangebot nicht nur Zuspruch aus der Gemeinde. „Es gab einige, die gesagt und geschrieben haben: Gut, dass ihr das macht. Und andere haben gesagt: Wie könnt ihr nur, ihr stellt euch gegen den Papst, das führt zu einer Kirchenspaltung.“

Die Liebfrauenkirche in Frankfurt
Die Liebfrauenkirche in Frankfurt : Bild: Laila Sieber

Für die Leute seien Einzelsegnungen „sehr berührend“, sagt Pater Stefan. An Liebfrauen habe das eine recht lange Tradition. In Zukunft möchte er das wieder aufleben lassen. „Ich glaube, dass dann auch niemand mehr blöd guckt, wenn zwei Männer oder zwei Frauen nach vorne kommen.“

Robin und Maurice finden es schade, dass am Montag wenige Paare zu dem Gottesdienst gekommen sind. Das mag auch daran liegen, dass die Gläubigen in der Liebfrauenkirche auch schon am Sonntagabend die Gelegenheit hatten, sich segnen zu lassen. Da seien mehr Paare da gewesen, sagt Pater Stefan. Für Robin und Maurice jedenfalls scheint der Segen hilfreich gewesen zu sein. Sie suchen nach dem richtigen Wort, um das zu beschreiben. Erst versucht Robin, das Gefühl mit „Genugtuung“ zu beschreiben, aber es scheint ihn selbst nicht zu überzeugen. Das Wort passe nicht, meint auch Maurice. Dann sagt Robin: Es sei, „als würde einem so eine Last runterfallen“.

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