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Katholische Kirche : Sorgentelefon im Fall Tebartz-van Elst

  • Aktualisiert am

Franz-Peter Tebartz-van Elst zieht Anfang September nach Regensburg Bild: dpa

Die katholische Kirche richtet ein Sorgentelefon für alle Mitarbeiter ein, die durch den Skandal um Tebartz-van Elst persönliche Verletzungen und Kränkungen erlitten haben.

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          Bei der Aufarbeitung des Falls Tebartz-van Elst geht die katholische Kirche ungewöhnliche Wege: Im Bistum Limburg soll es ab dem 1. September ein Sorgentelefon für alle Mitarbeiter und aktiven Ehrenamtlichen geben, die durch den Skandal um den ehemaligen Bischof persönliche Verletzungen erlitten haben.

          Die Hotline sei gedacht für Haupt- und Ehrenamtliche, „die Gesprächsbedarf verspüren“, so Ludwig Reichert, einer der zehn Seelsorger, die ab Montag drei Monate lang die Anrufe annehmen werden. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) in ihrer Ausgabe vom 31. August.

          „Bedrückende Erfahrungen“

          Seelsorger Reichert sagte der F.A.S., das Angebot solle mehr sein als eine „Beruhigungspille“. Dass das Angebot sich nur an Mitarbeiter und aktive Ehrenamtliche richtet, andere Gemeindemitglieder aber ausspart, verteidigte der Pfarrer der Zeitung gegenüber: „Das Telefon steht natürlich jedem offen, der davon erfährt und anrufen möchte.“ Aber man könne nicht allen, die ihren Brass über die katholische Kirche deutschlandweit loswerden wollen, im Rahmen dieser Aktion ein offenes Ohr bieten. Dazu seien die Kapazitäten zu gering.

          Ende Juli hatte Weihbischof Manfred Grothe, der als Apostolischer Administrator zurzeit in Limburg die Geschäfte leitet, die Hotline in einem Brief an hauptamtliche und ehrenamtliche Mitglieder der sogenannten synodalen Gremien angekündigt. Er habe „in vielen Gesprächen und Begegnungen erlebt“, dass „in den vergangenen Monaten und Jahren Menschen aus dem Bistum Limburg auf unterschiedliche Weise persönliche Verletzungen und Kränkungen zugeführt wurden“, so zitiert die F.A.S. aus dem Schreiben. Es sei sein „ausdrücklicher Wille, dass diese Menschen mit ihren bedrückenden Erfahrungen nicht allein bleiben“, so Grothe.

          Um diese Verletzungen messbar zu machen, sollen die Telefongespräche in „anonymisierten statistischen Daten“ auf „einfachen Dokumentationsbögen festgehalten werden“. Die Zahl der Anrufe und die besprochenen Themen sollen nach der Auswertung „eine wichtige Hilfe sein, das Geschehen zu bearbeiten und aus ihm zu lernen“, so der Apostolische Administrator.

          Reinhold Kalteier, Sprecher des ehemaligen Priesterrates des Bistums, den Grothe noch zu Beratungen zusammenruft und der sich für die Einrichtung der Hotline ausgesprochen hatte, sagte der F.A.S.: „Die Dimension der persönlichen Verletzungen und Lügen spielt in der bisherigen Aufarbeitung der Ereignisse der letzten Jahre noch eine zu geringe Rolle.“ Welche Konsequenzen man aus den Ergebnissen der Aktion ziehe, sei im Moment zwar noch offen,  „aber wenn die Daten zeigen, dass weitere Schritte nötig sind, dann gehe ich davon aus, dass die erforderlichen Konsequenzen aus der Aktion gezogen werden, auch im Umfeld des ehemaligen Bischofs“.

          Im März hatte Papst Franziskus den Rücktritt des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst angenommen. Dieser war in die Kritik geraten, nachdem bekanntgeworden war, dass die Kosten für die Errichtung eines „Diözesanen Zentrums St. Nikolaus“ in Limburg statt der zunächst veranschlagten 2,5 Millionen Euro binnen dreier Jahre auf mindestens 31 Millionen gestiegen waren. Über diesen Umstand hatte Tebartz-van Elst die Öffentlichkeit monatelang hinters Licht geführt.

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