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Katholische Kirche : Mixa gibt auf

  • Aktualisiert am

Bischof Walter Mixa Bild: ddp

Der frühere Augsburger Bischof hat offenbar aufgegeben. In einer gemeinsam verfassten Erklärung des Bistums heißt es, er akzeptiere die Entscheidung des Vatikans und stelle seinen Rücktritt nicht weiter infrage. Mixa will auch seine Wohnung verlassen.

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          Walter Mixa hat sich endgültig mit dem Verlust des Augsburger Bischofsamtes abgefunden. Er akzeptiere die Entscheidung des Vatikans und stelle seinen Rücktritt nicht weiter infrage, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Augsburger Bistumsleitung und Bischof Mixas. Mixa werde der Einladung des Papstes zu einem Gespräch in Rom gerne nachkommen und dabei seinen Rücktritt und dessen Umstände nicht mehr infrage stellen. Für den Druck, den er bei der Unterzeichnung seines Rücktritts empfunden habe, mache Mixa niemanden verantwortlich und niemandem Vorwürfe.

          Der Augsburger Diözesanrat reagierte mit Erleichterung auf die Erklärung des zurückgetretenen Bischofs. „Dies ist ein erster Schritt in eine gute Zukunft, jetzt ist Versöhnung angesagt“, erklärte der Ratsvorsitzende Helmut Mangold der Nachrichtenagentur dpa. Jetzt sei ein „echter Neuanfang“ in dem zerrissenen Bistum möglich.

          Mixa will auch seine Wohnung im Bischofshaus verlassen

          Mixa werde seine Wohnung im Augsburger Bischofshaus verlassen, versprach er in der Erklärung. In die Wohnung war er erst Mitte Juni zurückgekehrt. Das Bistum will im Gegenzug nach einer Übergangswohnung für den ehemaligen Augsburger Bischof suchen. Das Bistum wollte sich am Mittwoch nicht zu einem Zeitplan dafür äußern.

          In der persönlichen Erklärung Mixas, die auf der Homepage des Bistums veröffentlicht wurde, schreibt dieser: „Ich bin in vieler Hinsicht schuldig geworden.“ Er bitte „nicht nur um Entschuldigung, sondern vor allem um Verzeihung für alles, was ich nicht recht gemacht habe und vor allen Dingen um Verzeihung bei all den Menschen, die ich nicht in der rechten Weise behandelt habe, deren Erwartungen ich nicht erfüllt habe und die ich enttäuscht habe. Dies tut mir von ganzem Herzen leid.“ Gleichzeitig beteuerte Mixa, er habe niemanden verletzen oder beschädigen wollen. Darauf, wofür er sich entschuldige, ging Mixa nicht näher ein.

          Trotz des Rücktritts immer Bischof

          In seinem Schreiben berichtet Mixa auch von einem „sehr liebevollen Brief“ des Papstes. Darin schreibe der Pontifex, dass Mixa trotz seines Rücktritts vom Amt des Augsburger Bischofs immer Bischof bleibe, und dass er „die geistlichen Dienste wie die Feier der Eucharistie, die Spendung der Sakramente, auch der Firmung, wahrnehmen sollte“. Zudem könne er auch geistlich für viele Menschen da sein.

          Der gemeinsamen Erklärung von Mixa und Bistum zufolge wird dieser die Wohnung im Bischofshaus verlassen, in die er Mitte Juni zurückkehrte. Das Bistum wollte sich am Mittwoch nicht zu einem Zeitplan dafür äußern. Die Diözese wird der Erklärung zufolge eine vorübergehende Wohnung für Mixa suchen.
          Die gemeinsame Erklärung war nach Bistumsangaben bei einem Gespräch Mixas mit Diözesanadministrator Josef Grünwald und anderen Würdenträgern des Bistums sowie Rechtsanwälten am Dienstag zustandegekommen.

          Katholiken erleichtert

          Mixa war im März mit schwerwiegenden Prügel- und Finanzvorwürfen konfrontiert worden, die er zunächst leugnete. Später bestätigte er die Vorwürfe und reichte seinen Rücktritt beim Vatikan ein, den er später allerdings widerrief. Dennoch nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch Anfang Mai an. In einem internen, von der Deutschen Bischofskonferenz bestätigten Dossier, waren Mixa angebliche Alkoholprobleme und angebliche homosexuelle Annäherungsversuche angelastet worden.

          Die gemeinsame Erklärung war nach Bistumsangaben bei einem Gespräch Mixas mit Diözesanadministrator Josef Grünwald und anderen Würdenträgern des Bistums sowie Rechtsanwälten am Dienstag zustandegekommen.

          Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat mit Erleichterung auf die Erklärung reagiert. „Man kann nur begrüßen, dass es zu einer solchen Gemeinsamkeit gekommen ist“, sagte ZdK-Präsident Alois Glück der Nachrichtenagentur dpa in München. Bedauerlich sei aber, dass dies nicht schon früher möglich gewesen sei: „Das hätte allen Beteiligten und vor allem der katholischen Kirche viel erspart.“

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