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Katholische Kirche : Mixa erwägt Anrufung des Päpstlichen Gerichtshofs

  • Aktualisiert am

Walter Mixa Bild: dpa

Der emeritierte Augsburger Bischof Mixa überlegt, die Vorgänge um seinen Rücktritt vom päpstlichen Gerichtshof untersuchen zu lassen. Der Papst wird Mixa demnächst empfangen; dessen Rücktritt steht laut dem Vatikan aber „nicht zur Diskussion“.

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          Die katholische Kirche im Bistum Augsburg kommt auch nach dem Rücktritt des umstrittenen Bischofs Walter Mixa nicht zur Ruhe. Mixa erwägt jetzt, die Vorgänge um seinen Rücktritt vom päpstlichen Gerichtshof in Rom untersuchen zu lassen. Das sei ein „ganz guter Gedanke, den ich sehr wohl erwäge und bedenke“, sagte der 69 Jahre alte Mixa der Tageszeitung „Die Welt“.

          Er bezieht sich dabei auf das Kirchenrecht, nach dem Handlungen als nicht vorgenommen gelten, sofern sie unter äußerem Zwang zustande kamen. Einem solchen Zwang fühlte sich Mixa vor seinem Rücktrittsgesuch ausgesetzt: Der Druck auf ihn sei „wie ein Fegefeuer“ gewesen, sagte er. Schon mit der Rückkehr in seine Wohnung im Bischöflichen Palais am vergangenen Samstag hatte Mixa für neue Unruhe und Unverständnis gesorgt.

          „Damit durften die doch nicht den Papst unter Zugzwang setzen“

          Mixa hatte am 21. April nach Prügelvorwürfen ehemaliger Heimkinder und Vorwürfen einer Zweckentfremdung von Stiftungsgeldern für Waisenhauskinder bei Papst Benedikt XVI. um seine Amtsentpflichtung nachgesucht. Diese wurde offiziell am 8. Mai vom Vatikan angenommen. Vorermittlungen zu Missbrauchsvorwürfen hat die Staatsanwaltschaft eingestellt; die Prügelvorwürfe aus seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen bestehen aber weiter. Diese Vorgänge sind strafrechtlich aber verjährt.

          Mixa will im Juli noch einmal mit Papst Benedikt XVI. persönlich über seinen Fall sprechen. „Er hat mich ja zum Gespräch eingeladen“, sagte Mixa der Zeitung. „Vor allem will ich mit ihm also besprechen, wie sich die Situation weiter entwickeln soll.“ Der frühere Augsburger Oberhirte plant eine Rückkehr ins Priesteramt. „Ich möchte auf jeden Fall in irgendeiner Weise wieder in der Seelsorge tätig sein. Auch mit den Gläubigen feiern, Sakramente spenden.“

          Mixa warf dem Vorsitzenden der katholischen Bischöfe in Bayern, dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx, sowie dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, vor, deren Verhalten „hätte brüderlicher sein müssen“. Stattdessen seien sie „zum Papst geeilt und haben ihm den sogenannten Missbrauchsfall vorgetragen, der de facto auf nichts mehr beruhte als auf acht handschriftlichten Sätzen einer höchst dubios hingekritzelten Notiz“. Der Inhalt sei haltlos gewesen, wie die eingeschaltete Staatsanwaltschaft festgestellt habe. „Damit durften die doch nicht den Papst unter Zugzwang setzen.“

          Der Münchner Erzbischof Marx ließ Mixas Vorwurf einer Intrige und mangelnder Brüderlichkeit scharf zurückweisen: „Es ist alles rechtmäßig gelaufen, darüber hinaus gibt es nichts zu sagen“, sagte der Sprecher des Erzbistums und der bayerischen Bischofskonferenz, Bernhard Kellner, am Mittwoch. „Nicht zuletzt im Interesse von Bischof emeritus Mixa sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten.“ Man wünsche Mixa gute Genesung: „Sein Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt.“

          Vatikan: Rücktritt steht nicht zur Diskussion

          Der Vatikan machte Mixa keine Hoffnung auf eine Rücknahme seiner Abberufung. „Papst Benedikt XVI. wird Walter Mixa in den kommenden Wochen empfangen“, teilte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwoch in Rom mit. „Es ist aber nicht voraussehbar, dass die Annahme seines Rücktritts zur Diskussion gestellt wird“.

          Nach Angaben des Kirchenrechtlers Klaus Lüdicke kann sich Mixa nicht ins Amt zurückklagen: „Er kommt nicht durch ein Gerichtsurteil wieder ins Amt.“ Mixa könne an der „Rota Romana“ im Vatikan nur sein Rücktrittsgesuch anfechten, aber nicht die Entscheidung des Papstes, den Rücktritt anzunehmen. „Man kann prinzipiell Willenserklärungen anfechten, die aus einem Irrtum heraus ergangen sind oder unter Druck zustande kamen“, betonte Lüdicke, der als Professor für katholisches Kirchenrecht viele Jahre an der Universität Münster lehrte. Dies ändere aber nichts an der Annahme des Rücktritts: „Das Amt hat Mixa trotzdem verloren.“ Allein der Papst könne ihn wieder zum amtierenden Bischof machen. Der Fall sei kirchenrechtlich einmalig. „So etwas gab es noch nicht.“

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