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Katholische Kirche : Limburger Limbo

  • -Aktualisiert am

Führt die Geschäfte: der neue Generalvikar Wolfgang Rösch Bild: Eilmes, Wolfgang

Im Bistum sorgt nicht nur der neue Generalvikar für Aufmerksamkeit – auch der Frankfurter Stadtdekan macht wieder von sich reden. Ruhe dürfte vorerst nicht einkehren.

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          Tröstende Worte zu finden gehört zum Kerngeschäft von Pfarrern. Wenn ein Zuspruch aber nicht nur für Beruhigung, sondern auch für Widerspruch sorgt, ist etwas schiefgelaufen. Das erfährt der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz gerade. Er hat den Seelsorgern in der Stadt einen „Zuspruch“ geschrieben. Anlass sind weiter bestehende Sorgen, der Papst könne den umstrittenen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wieder in sein Amt einsetzen.

          Franziskus hatte Tebartz-van Elst zwar von der Leitung der Diözese entbunden, offiziell ist er aber immer noch Bischof von Limburg. Die Geschäfte führt der neue Generalvikar Wolfgang Rösch. Rechenschaftspflichtig ist er nur dem Heiligen Stuhl. Rösch, der sich am Mittwoch der Öffentlichkeit vorstellte, ist gewillt, wieder für Gemeinsamkeit in der Diözese zu sorgen, für etwas Normalität. Dazu spricht er mit vielen – mit seinen Mitarbeitern im Bischöflichen Ordinariat, mit dem Domkapitel, mit dem Priesterrat und anderen Gremien. Auch mit dem „Hofheimer Kreis“ will er zusammentreffen, jener Gruppe von Geistlichen, die die Bistumsleitung schon vor geraumer Zeit stark kritisierte. Zu ihr gehört auch der Frankfurter Stadtdekan. Er war in den vergangenen Monaten ob seines Status – er gehört zum Domkapitel – und seiner Wortgewalt zu einem informellen Sprecher jenes Kreises geworden, gab der Kritik am Bischof in der Öffentlichkeit ein Gesicht.

          Kampf um den Kurs der Kirche

          „Ich denke, Sie teilen mehrheitlich meine Überzeugung, dass es mit Franz-Peter Tebartz-van Elst im Bistum Limburg keinen Meter mehr weitergeht und dass eine Rückkehr ins Bischofsamt deshalb überhaupt nicht in Frage kommt“, schreibt Eltz nun den Geistlichen, Pastoral- und Gemeindereferenten in seinem Brief. Die Entscheidung des Papstes nennt er „merkwürdig und denkwürdig“, sieht in den „Ambivalenzen der Regelung“ einen Hinweis auf den Kampf um den Kurs der Kirche, in dem Tebartz-van Elst eine wichtige Rolle zugedacht gewesen sei.

          Eltz nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine Einschätzung zu Tebartz-van Elst teilen viele. Doch musste er ausgerechnet jetzt diesen Brief schreiben, fragen die einen. Was soll die Kritik am Papst, dessen Entscheidung doch gut sei, die anderen. „Der Brief ist kein Angriff auf den Papst“, entgegnet Eltz. Er habe nur ein Fragezeichen hinter dessen Entscheidung setzen und angesichts einer Angst, der Bischof könne zurückkommen, Mut machen wollen. „Ich finde den Brief authentisch, aber maßvoll.“

          Einen solchen Brief hätte Generalvikar Rösch nicht verfasst, selbst wenn er der gleichen Auffassung wäre. Zu unterschiedlich ist der Stil der beiden Männer, die sich schon aus der Priesterausbildung kennen. Was das weitere Verhältnis der Geistlichen zueinander angeht, sollte man in Eltz’ Schreiben nicht zu viel hineinlesen: So wenig, wie der Stadtdekan sich von dem Generalvikar distanzieren wollte, so wenig befeuert Rösch die Diskussion – zumal er den Brief im Wortlaut nicht kannte, wie er am Mittwoch sagte. „Ich mag den Frankfurter Stadtdekan, seine Brillanz und mediale Klugheit.“ Er setzt auf ein baldiges Gespräch mit Eltz, der die Kirche liebe und seinem Gewissen verpflichtet sei.

          „Das Bischofsamt ist ein Dienst an der Einheit“

          So direkt Eltz argumentiert, so zurückhaltend tritt Rösch auf. Auf die Frage, ob er mit einer Rückkehr des Bischofs rechne, antwortete er am Mittwoch ausweichend. Das dürfte seinem neuen Amt geschuldet sein, denn gut eine Woche vor seiner Ernennung zum Generalvikar fand Rösch als Stadtdekan von Wiesbaden in dieser Zeitung deutlichere Worte: „Ich kann mir schwer vorstellen, dass das noch konstruktiv gewendet werden kann.“

          Rösch sieht auch als Generalvikar die Lage nüchtern genug, um zu wissen, dass sich daran wenig ändern dürfte. Er kennt die Haltung des Domkapitels, das den Bischof nicht wiedersehen will. „Und ich habe darüber hinaus noch nichts anderes wahrgenommen“, fügte er nun hinzu. „Das Bischofsamt ist ein Dienst an der Einheit“, der sich nicht auf formale Autorität allein stützen könne. Er vertraue darauf, dass am Ende die richtige Entscheidung getroffen werde.

          Der Schwebezustand im Bistum wird noch einige Monate anhalten – erst Ende Januar soll die Prüfkommission ihre Arbeit zur Finanzierung des umstrittenen Bischofssitzes abgeschlossen haben. Bis dahin will Rösch dazu beitragen, Lagerdenken zu überwinden. Daran hat auch Eltz Interesse, denn es gibt in Frankfurt auch Katholiken, die anderer Meinung sind als er. „Mir liegt sehr daran, dass auch sie sich geachtet fühlen, ihre Meinung ungehindert äußerten und für ihre Auffassung öffentlich werben dürfen“, schreibt er.

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