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Missbrauch : Es darf nicht zwei Klassen von Opfern geben

Vor dem Mainzer Dom demonstriert eine Gruppe von Vertretern der Missbrauchsopfern. Bild: EPA

Die Bischöfe der katholischen Kirche wollen „materielle Leistungen“ an Missbrauchsopfer neu festsetzen. Die Orientierung an gerichtlich festgesetzten Schmerzensgeldern ist richtig.

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          Auch wer jemals Menschen persönlich begegnet ist, die im Raum der katholischen Kirche sexuelle Gewalt erfahren haben, sollte sich keine Vorstellung über das Ausmaß an Leid und Verletzungen machen, das ihnen zugefügt wurde. Erst recht sollte man sich keinen Illusionen hingeben, dass dieses Leid mit Geld jemals wieder gutgemacht werden könnte.

          Trotzdem tun die Bischöfe gut daran, ihre bisherige Praxis zu überdenken und den Betroffenen mehr und bessere „materielle Leistungen“ anzubieten als bisher. Denn das seit 2011 praktizierte Verfahren war nicht nur wegen der mit 5000 Euro eher symbolischen Anerkennungsleistung beschämend. Wegen einer an Willkür grenzenden Uneinheitlichkeit und Intransparenz hat es maßgeblich dazu beigetragen, die Glaubwürdigkeit der Kirche noch mehr zu beschädigen als ohnehin.

          Freilich wollen die Bischöfe künftig nicht „Entschädigungszahlungen“ in sechsstelliger Höhe leisten, wie von einigen Betroffenen verlangt. Sie wollen an den niedrigeren Beträgen Maß nehmen, die Gerichte als Schmerzensgeld für erlittenes immaterielles Leid in vergleichbaren Fällen zusprechen.

          Auf den ersten Blick mag dies nicht einleuchten. Doch wird dadurch vermieden, dass es künftig zwei Klassen von Opfern gibt: katholische und nicht-katholische. So ist dieser Weg ein Beitrag zum gesellschaftlichen wie zum Rechtsfrieden, auch wenn er dem inneren Frieden mancher Betroffener nicht dient.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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