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Katholische Kirche : Doch kein Verkauf von Weltbild

Die Verlagsgruppe Weltbild gehört mit mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz, etwa 6400 Arbeitsplätzen und mehr als drei Millionen Kunden zu den größten Medien- und Versandunternehmen in Europa Bild: dpa

Die Verlagsgruppe Weltbild wird nicht veräußert, sondern von der katholischen Kirche in anderer Rechtsform weitergeführt. Die Anteile sollen auf eine kirchliche Stiftung übertragen werden.

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          Die Verlagsgruppe Weltbild wird nicht veräußert, sondern von der katholischen Kirche in anderer Rechtsform weitergeführt. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind sich die Gesellschafter in Gestalt von zwölf katholischen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und der Soldatenseelsorge Berlin am Dienstag darüber einig geworden, die Anteile an der Verlagsgruppe auf eine noch zu gründende kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts zu übertragen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Der Aufsichtsrat des Medien- und Versandunternehmens, das mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz, etwa 6400 Arbeitsplätzen und mehr als drei Millionen Kunden zu den größten seiner Art in Europa zählt, wurde am Mittwoch über diese Entscheidung in Kenntnis gesetzt. Die Absicht der Stiftung sei es, so war zu erfahren, mit allfälligen Gewinnen des Unternehmens „gemeinnützige, kulturelle und kirchliche Zwecke“ zu verfolgen. Wann die Verlagsgruppe in die neue Rechtsform überführt und wie die Neuausrichtung personell ins Werk gesetzt werden wird, soll sich in den kommenden Monaten weisen.

          Der Vorsitzende der Geschäftsführung des
          Verlags, Carel Halff, sagte der Nachrichtenagentur dpa,  dies sei „für alle Mitarbeiter eine gute Perspektive, denn nichts ist so auf Dauer angelegt wie eine
          Stiftung“. Die Stiftung, deren Unternehmensform eine GmbH bleibe, solle gemeinnützige, kulturelle und kirchliche Ziele verfolgen.

          Mit ihrer Entscheidung vom Dienstag haben die Bischöfe ihren Beschluss vom vergangenen November endgültig aufgegeben, die Verlagsgruppe zu verkaufen. Damals hielten die Gesellschafter es unter massivem innerkirchlichen Druck für ihre Pflicht, sich von einem Unternehmen zu trennen, über dessen Beteiligungen und Vertriebskanäle auch Bücher und Medien zu erhalten sind, deren Inhalt dem Weltbild der Kirche zuwiderläuft. Es gab hinter der Fassade moralischer Entrüstung allerdings auch Kräfte, denen ein Notverkauf von Weltbild sehr gelegen gekommen wäre.

          Widerstand gegen einen Verkauf und eine damit einhergehende Aufspaltung des Unternehmens regte sich nicht nur unter den Arbeitnehmern. Auch in der Kirche wuchsen nach einer Weile die Zweifel an der Idee, sich aufgrund der eigenen Unfähigkeit, ein Unternehmen zu steuern, das über mehr Potential auf dem Buch- und Medienmarkt verfügt als alle anderen Engagements der Kirche, von diesem zu trennen. Am Ende gewannen die Kräfte die Oberhand, die anstelle eines Verkaufs eine stärkere christliche Profilierung des Unternehmens favorisierten.

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