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Katholische Kirche : Beichtgeheimnis als Täterschutz?

Mobil beichten in Dresden: Der Beichtstuhl ist für Gläubige kein Muss mehr. Bild: dpa

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat auch die Beichte in Misskredit gebracht. Sie trage zur Vertuschung bei, lautet der Vorwurf. Doch vieles spricht dafür, dass das eigentliche Problem der Machtmissbrauch ist.

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          Angesichts der Empörung darüber, dass sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche systematisch vertuscht wurde und wird, verwundert es auf den ersten Blick nicht, dass in einigen Ländern vor allem jene kirchliche Institution in Misskredit gerät, die wie keine andere sakraler Hort der Geheimhaltung und der Verschwiegenheit ist: Die Beichte. In Frankreich forderte Innenminister Gerald Darmanin nach der Vorstellung einer Missbrauchsstudie jüngst, Priester müssten Kenntnisse von Sexualdelikten, die sie in der Beichte erhielten, der Justiz melden. In Australien ist man derweil zur Tat geschritten: Der Bundesstaat Westaustralien verpflichtete Geistliche mit einem neuen Gesetz, das Beichtgeheimnis zu brechen, sofern es sich um Missbrauchsfälle handelt; mehrere Bundesstaaten hatten zuvor ähnliche Gesetze erlassen. In Irland gibt es schon seit 2012 eine solche Verpflichtung.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Das Beichtgeheimnis kennt keine Ausnahmen: Es verpflichtet den Priester zum absoluten Stillschweigen über das Beichtgespräch, an dessen Ende er den Gläubigen von seinen Sünden losspricht. Es gilt nach kirchlichem Recht unter allen Umständen, also selbst dann, wenn ein Täter Straftaten, etwa sexuellen Missbrauch Minderjähriger beichtet, oder ein Opfer im Beichtgespräch darüber berichtet – auch über den Tod des Beichtenden hinaus. Priester, die das Beichtgeheimnis direkt brechen, sind automatisch exkommuniziert. Unterschiedliche Meinungen gibt es nur darüber, ob der Beichtende den Beichtvater selbst davon entbinden kann. In vielen Ländern wird das Beichtgeheimnis auch vom staatlichen Recht geschützt, in Deutschland etwa haben Priester in Prozessen vor staatlichen Gerichten ähnlich wie Ärzte und Anwälte ein Zeugnisverweigerungsrecht.

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