https://www.faz.net/-gpf-72zvj

Katholische Kirche : Austritt führt zum Verlust kirchlicher Rechte

Wer künftig aus der katholischen Kirche austritt, soll sich erklären Bild: Fricke, Helmut

Die Katholische Kirche in Deutschland will künftig mit jedem Mitglied, das ausgetreten ist, das Gespräch suchen. Das geht aus einem Dekret der Deutschen Bischofskonferenz hervor. Es bleibt aber dabei, dass die Rechte auf die Sakramente bei einem Austritt verloren gehen.

          2 Min.

          In Deutschland bleibt es dabei, dass ein Katholik seine Rechte als Kirchenmitglied verwirkt, sobald er vor einer zivilen Behörde seinen Austritt aus der Kirche erklärt. Das geht aus einem „Allgemeinen Dekret der Deutschen Bischofskonferenz zum Kirchenaustritt“ hervor, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Wer sich demnach aus welchen Gründen auch immer öffentlich von der Kirche lossagt, der verstößt gegen die im Kirchenrecht festgelegte Pflicht, die Gemeinschaft der Kirche zu wahren und seinen finanziellen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kirche ihre Aufgabe erfüllen kann.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Durch diesen Akt „willentlicher und wissentlicher Distanzierung“ verwirkt ein Katholik vor allem das Recht, die Sakramente zu empfangen. Er kann auch keine Ämter und Funktionen in der Kirche einschließlich des Patenamtes bekleiden, nicht mehr Mitglied in öffentlichen kirchlichen Vereinen sein und verliert das aktive und passive Wahlrecht. Einer Person, die vor dem Austritt nicht irgendwelche Zeichen der Reue gezeigt hat, kann zudem ein kirchliches Begräbnis verweigert werden.

          Neu ist hingegen, dass sich die Kirche verpflichtet, mit einem Katholiken das Gespräch zu suchen, wenn er der Kirche durch Austritt den Rücken gekehrt hat. Dieses Gespräch zielt, wie es in dem Dekret weiter heißt, auf die „Versöhnung mit der Kirche und die Rückkehr zur vollen Ausübung der Rechte und Pflichten“. Zu diesem Zweck wurde ein sogenanntes „Pastorales Schreiben“ entworfen, das jedem Ausgetreten die Konsequenzen seines Tuns vor Augen stellen und ihn zu einem Gespräch mit seinem Pfarrer oder einem Seelsorger seiner Wahl motivieren soll. Aufschiebende Wirkung haben das Schreiben und das allfällige Gespräch indes nicht.

          Dem Dekret vorausgegangen waren langwierige Verhandlungen zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und verschiedenen vatikanischen Dienststellen, die in der für Deutschland typischen Verschränkung von zivilem Kirchenaustritt und automatischem Verlust der Rechte als Kirchenmitglied keine zwingende Verbindung erkennen konnten. Gleichzeitig mehrten sich auch in Deutschland die Stimmen, die dafürhielten, dass man auch ohne die Zahlung von Kirchensteuern der Pflicht der finanziellen Unterstützung der Kirche nachkommen könne und daher guten Gewissens alle Rechte eines Kirchenmitglieds in Anspruch nehmen könne.

          Vor den Verwaltungsgerichten hatte diese Argumentation bislang keinen Bestand. Allerdings war die innerkirchliche Rechtslage nicht eindeutig. Dieser Zustand hat nach der Veröffentlichung des Dekrets ein Ende gefunden, denn es wurde durch die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre unter dem deutschen Erzbischof Gerhard Ludwig Müller und Papst Benedikt XVI. persönlich gutgeheißen und ist nun als sogenannte Partikularnorm Teil des kirchlichen Strafrechts.

          Weitere Themen

          Wieder Anti-Corona-Demo in Stuttgart

          Wenig Zulauf : Wieder Anti-Corona-Demo in Stuttgart

          Am Wochenende haben Gegner der Corona-Verbote abermals auf sich aufmerksam gemacht. Insgesamt blieb es friedlich. In Berlin gab es Sonntag laut Polizei überhaupt keine nennenswerten Demos.

          Topmeldungen

          Öffnung der Gastronomie : Als das Krisengefühl verschwand

          Früher galten die Deutschen als Stubenhocker. Doch in der Krise zeigt sich, was sonst nicht ins Bewusstsein dringt: Die Gastronomie ist systemrelevant. Seit wann ist das eigentlich so? Über die erstaunliche Bedeutung einer Leitbranche.

          Trump will G7 zu G11 erweitern : Eine neue Allianz gegen China?

          Russland reagiert zurückhaltend auf Trumps Vorstoß, die G7 zu erweitern. Australien, Indien und Südkorea zeigen sich offener – ohne Amerika wären sie Vasallenstaaten Chinas, warnt ein früherer Außenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.