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Katholikentag : Von Regensburg führen viele Wege nach Rom

Abtreibungsdebatte spaltet die Katholiken

Nicht nur in der Universität, auch in der Stadt gibt es neben den vielen Ständen kirchlicher Gruppen auch Foren und Podien. Im Velodrom, einer zu einem Theater umgebauten Radrennbahn, diskutiert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) über Sterbehilfe. In diesem Herbst wird die Frage, ob Tod auf Verlangen auch in Deutschland zu einem Recht gegenüber Dritten werden soll, erstmals den Deutschen Bundestag beschäftigen. Auf dem Podium debattieren wieder einmal Leute, die sich völlig einig sind. „Ich möchte, dass Menschen an der Hand anderer Menschen sterben, nicht von der Hand“, sagt Gröhe, und der Palliativmediziner Stephan Sahm sekundiert: „Das Leid beseitigen, nicht den Leidenden.“ Einig sind sie sich dann auch darin, dass der Ausbau palliativmedizinischer Versorgungsstrukturen in Deutschland mit der medizinisch-technischen Entwicklung längst nicht Schritt gehalten hat. Nur der österreichische Malteser Franz Graf von Harnoncourt weist die Kirchen freundlich darauf hin, dass sie es sind, die in ihren zahllosen Krankenhäusern, Hospizen, Sozialstationen und Einrichtungen der Altenhilfe Vorreiter sein und flächendeckend Maßstäbe setzen könnten.

Ordensschwestern auf der Steinernen Brücke

Das Kontroversthema des Katholikentags ist indes wieder einmal Abtreibung. Kirchenpolitisch ist das ein alter Hut. Über die Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung hat sich vor 15 Jahren der deutsche Katholizismus in zwei Lager zerlegt. Rom und seine Unterstützer in Deutschland forderten unter Führung von Kardinal Ratzinger, dass katholische Einrichtungen keine Scheine ausstellen dürften. Die deutschen Bischöfe gehorchten Ratzinger, die meisten unter Murren. Aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken heraus gründete sich der Verein „Donum Vitae“, um Frauen innerhalb des staatlichen Systems durch eine Beratung von einer Abtreibung abzuhalten.

Je primitiver, desto mehr Liebe

Auf dem Katholikentag liegen sich beide Lager wieder in den Haaren. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nennt Abtreibung mit höchster seelsorgerlicher Zärtlichkeit ein „Massaker im Mutterleib“. Voderholzer war früher Leiter des Instituts Benedikt XVI. in Regensburg, das der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller gegründet hat, ehe der frühere Regensburger Professor Joseph Ratzinger, dessen Bruder Georg über Jahrzehnte Leiter der Regensburger Domspatzen war, ihn nach Rom geholt hat. Von Regensburg führen viele Wege nach Rom.

Ministranten in Regencapes bei der Messe zu Christi Himmelfahrt

Bauer Karl Ebner müht sich eine große Freitreppe aus Beton hinauf. Auch ihn treiben die vielen Abtreibungen um. „So schlimm kann es einem gar nicht gehen, dass man das Kind umbringt“, meint er. „Aber ich rede mich leicht.“ Bei Vergewaltigungen sei es ja noch einmal schwieriger. „Wir reden uns da leicht“, sagt der Landwirt noch einmal. „Aber das Kind kann auch dann nichts dafür. Und sobald die Vereinigung war, hat Gott die Seele dazugegeben.“ Damit ist Karl Ebner wieder beim Angelpunkt seines Denkens angekommen.

„Warum sind wir auf der Welt, habe ich mich gefragt.“ Bauer Ebner macht eine Pause. „Weil Gott Liebe braucht. Und desto primitiver der Mensch ist, desto mehr kann der Mensch lieben. Wie ein Behinderter lieben kann – das kann kein Studierter. Trotzdem bin ich froh, dass meine beide Buam so gesund und so gescheit sind.“ Der Landwirt muss zurück auf den Markt. Der Stand muss abgebaut werden. Bei dem guten Wetter ist heute noch viel Feldarbeit zu erledigen. Immerhin hat er sich jetzt eine eigene Meinung über den Katholikentag bilden können. „Es ist gut, dass sie es machen, schon. Aber wegen mir bräuchten sie es nicht machen.“

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