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Katholikentag : Von Regensburg führen viele Wege nach Rom

Ist „Kirchenasyl“ ein klarer Rechtsbruch?

Ebner wirkt ein wenig ratlos. „Ich weiß jetzt nicht, warum sie einen Applaus gegeben haben.“ Auch die Begeisterung der Katholikentagsteilnehmer für den Mindestlohn kann er nicht teilen. Auf dem Hof beschäftigt er, wenn die Saison danach ist, einen Helfer aus Osteuropa. Wo er genau herkommt, weiß Bauer Ebner nicht. „Wir verstehen uns nur mit Zeichensprache.“ Ebner ist „sehr, sehr zufrieden“ mit dem Mann: „Ein sehr fleißiger Mensch, auch ein kräftiger Mensch. Gerade wenn einmal viel Arbeit da ist, dann langt er wirklich zu.“ Erst hat er fünf Euro in der Stunde bekommen, inzwischen seien es sieben. Mehr sei bei Gemüse nicht drin, beteuert Ebner. „Dann hätte er keine Arbeit mehr.“ Nicht nur befürchtet Ebner nun, dass die Politiker von der Wirklichkeit „wenig Ahnung“ haben. „Ich hätt gemeint, hier wird über Gott geredet. Aber das ist ja jetzt politisch.“ Doch Ebner hat auch dafür Verständnis. „Freilich soll der Bischof auch über die Nächstenliebe reden, auch politisch.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, bei der Podiumsdiskussion mit Sigmar Gabriel

400 Tote vor Lampedusa, 400.000 syrische Schulkinder allein im Libanon, das Asylsystem in Griechenland zusammengebrochen, eine Task Force „Mittelmeer“ der EU-Kommission vor weitreichenden Entscheidungen, ein Innenminister, der auch von „offenkundigem Missbrauch“ des Asylrechts spricht und „Kirchenasyl“ als klaren Rechtsbruch bezeichnet – die Luft in der Halle am Rand des Regensburgers Katholikentags knistert. Und doch geht es so fair und gleichzeitig konzentriert zu, wie es wohl kaum an einem anderen Ort dieser Republik zuginge, wenn über die Verantwortung Europas angesichts zweier Konfliktherde an seiner südlichen Grenze von welthistorischer Größe diskutiert wird.

Eine bizarre Geräuschkulisse

Dabei ist die katholische Kirche nicht erst seit der Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst ein durchaus parteiischer Akteur, sondern mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) oder der Gemeinschaft Sant’Egidio dort zu finden, wenn es um Unterstützung und Hilfe für Flüchtlinge und Asylbewerber geht. Aber noch nie haben deren Anliegen auch auf der politischen Ebene bis in die Verwaltung hinein so viel Aufmerksamkeit und auch so viel Anerkennung erfahren wie in den vergangenen zwölf Monaten – nicht nur innerstaatlich in Deutschland, sondern auch in Brüssel: Ein weiteres Kontingent für syrische Flüchtlinge (Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, CSU), vielleicht dereinst Asylvorverfahren auf afrikanischem Boden (Matthias Oel, Abteilungsleiter Asyl EU-Kommission), Orientierungskurse für Asylbewerber (Michael Griesbeck, Vizepräsident Bundesamt für Flüchtlinge und Migration), Online-Universitäten in Flüchtlingslagern (Peter Balleis SJ, JRS). Ein wenig Franziskus-Effekt, vor allem aber das Ergebnis eines jahrelangen Bemühens nicht zuletzt im Raum der Kirchen, sich der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ entgegenzustemmen.

Harmonie bei Kerzenschein: Abendgebet in der Regensburger Donauarena

Heiterer geht es in der mittelalterlichen Altstadt zu. Nach den tristen Regentagen zu Beginn beheizt nun die Sonne das steinerne Weltkulturerbe und die Laune der Besucher. Auf den Donauinseln lassen sich Ordensleute bestaunen, Sacropop und lärmender Tischfußball bilden eine bizarre Geräuschkulisse. Auf der anderen Seite der Donau eine Oase der Stille: die barockglänzende Alte Kapelle mit ihrer Papst-Benedikt-Orgel. Eine Stunde lang lässt die in Wien lebende Organistin Erzsébet Windhager-Geréd Musik ihrer Heimat erklingen: Barocke Kompositionen aus Siebenbürgen, dazu Variationen über ein siebenbürgisch-ungarisches Marienlied. Der Fall des Eisernen Vorhangs war der Auftakt des Endes der Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen. Die „Musika Transsylvanika“ hat ein kleines Stück des europäischen Traums über das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur für alle Ewigkeit bewahrt.

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