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Katholikentag in Stuttgart : Ringen um eine Haltung zum Ukrainekrieg

Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Zentralen Friedenskundgebung am 27. Mai auf dem Katholikentag in Stuttgart Bild: dpa

Der Ukrainekrieg ist eines der zentralen Themen beim Katholikentag in Stuttgart. Das Thema Waffenlieferungen spaltet die Teilnehmer zwar nicht so tief wie die evangelische Kirche, aber etliche ringen noch mit sich.

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          So lautstark war die Friedensbewegung während eines Katholikentages schon lange nicht mehr zu vernehmen: „Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Kirche ohne Militär“ skandierte eine Handvoll Demonstranten am Freitagmorgen vor der Domkirche Sankt Eberhard in Stuttgart. Hier feierte der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck einen Gottesdienst mit Soldaten. Einige hundert Meter weiter wurden kurz darauf ganz andere für einen Katholikentag ungewohnte Töne angeschlagen: Der frühere ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin eröffnete eine Podiumsdiskussion mit einem militärischen Lagebericht und ein früherer leitender Mitarbeiter von Caritas International erläuterte, die humanitäre Krise in der Ukraine könne nur durch Waffenlieferungen beendet werden.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Der Ukrainekrieg ist eines der zentralen Themen des 102. Katholikentags. Von einer tiefen Spaltung wie in der evangelischen Kirche kann zwar keine Rede sein, die entschiedenen Gegner von Waffenlieferungen sind in der Minderheit. Aber in Stuttgart wird in diesen Tagen deutlich, dass es nicht wenigen Katholiken auch in diesem Fall schwerfällt, dem vergleichsweise klaren Votum ihrer Bischöfe zu folgen. Die Bischöfe hatten Waffenlieferungen an die Ukraine als „grundsätzlich legitim“ und die Pläne zur Stärkung der Bundeswehr als „plausibel“ bezeichnet.

          „Deutsche Bürokratie bringt ukrainische Kinder um“

          Das prominenteste Beispiel für ein solches Ringen ist die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme-Stetter-Karp. In einer Podiumsdiskussion mit Bundeskanzler Olaf Scholz gestand sie am Freitag ein, dass sie beim Thema Waffenlieferungen mit sich noch nicht ganz im Reinen sei. Das zeigte sich später auch bei der Kundgebung zum Ukrainekrieg im Oberen Schlossgarten. In ihrer Ansprache war viel vom gerechten Frieden die Rede und von „ziviler Friedensarbeit“. Das Thema Waffenlieferungen umschiffte die ZdK-Präsidentin jedoch. Stetter-Karp sagte nur: „Die Ukraine verteidigt den Frieden“. Das Interesse an der Kundgebung war nur gering: Die ZdK-Präsidentin sprach vor rund 1000 Personen und lag weit unter den Erwartungen der Veranstalter. Zweihundert Ukrainern, die ebenfalls gekommen waren, dürfte das zu wenig gewesen sein. Sie forderten auf Plakaten „Bewaffnet die Ukraine jetzt“ oder „Deutsche Bürokratie bringt ukrainische Kinder um“.

          Bundeskanzler Scholz verteidigte beim Katholikentag abermals die geplante Stärkung der Bundeswehr. Auf die Frage, ob für den Frieden so viele Waffen notwendig seien, antworte er: „Ja!“. Zugleich dankte Scholz den Kirchen für ihr Engagement für ukrainische Flüchtlinge. Allerdings hatten ihm die Organisatoren auch eine Konfrontation mit Hardlinern der katholischen Friedensbewegung erspart. Der Forderung Stetter-Karps, dass auch der entwicklungspolitische Haushalt „mehr Nahrung“, konnte er sich leicht anschließen.

          In Stuttgart wurde auch offenbar, dass es innerhalb der katholischen Kirche in der Ukraine durchaus unterschiedliche Auffassungen zu Russland gibt. Der Exarch für die katholischen Ukrainer in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzyurakh, sagte mit Blick auf das künftige Verhältnis seines Landes zu Russland: „Ich bin Christ und ich kann verzeihen“. Man müsse schließlich auch an die Zeit nach dem Krieg denken. Sein bischöflicher Mitbruder Stepan Sus aus dem Großerzbistum Kiew hingegen, der gut drei Wochen in einer Gegend war, die von den Ukrainern zurückerobert wurde, berichtete von den Gräueln der russischen Besatzer. Es sei ein „Kampf gegen das Böse“. Und dieses Böse müsse „gestoppt und vernichtet“ werden.

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